September 19, 2021

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Profi Radsport

Tour of Britain. Die Grenadiere müssen früh arbeiten.

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Tour of Britain

Wenn man die Straßen  bei der Tour of Britain sieht, so staunt man doch wie schmal die meistens sind. Oft sind sie bessere Feldwege. Bei der Tour de France in der Bretagne hat es deswegen große Proteste gegeben. Wegen der schmalen Straßen.

Hier in Britain ist man entspannter. Nachdem man die Ausreißergruppe hatte ziehen lassen. schlossen die Ineos Grenadiere die Straße. Es genügte, dass vier nebeneinander fuhren. Wegen der Hecken und Mauern direkt am Straßenrand kam keiner vorbei. 

Man radelt ein wenig mit dem Präsidenten durch die Gegend. Nach dem Mittagsschläfchen begriff man aber schnell was man angerichtet hatte. Die Ausreißer hatten nach 30 Kilometern 9 Minuten Vorsprung und ein oder zwei der Ausreißer wahren plötzlich im virtuellen Leader Trikot. So hatte der Amerikaner Matteo Jorgenson, als bester Fahrer der Gruppe,  plötzlich 4 Minuten Vorsprung vor Ethan Hayter.

Die Grenadiere mussten plötzlich etwas tun. Man sah plötzlich arbeiten. Trotzdem fragten sich die englischen Kommentatoren, ob Ineos das Ding schmeißen würde. Aber noch kamen ja reichlich schottische Berge und 160 Keys (km) standen für eine Verbesserung des Ergebnisses zur Verfügung. So rasten die Ineos Fahrer plötzlich mit Vollspeed durch Schottland. Das Feld langezogen hinter ihnen her. Das hatte ein wenig Erfolg. Denn nach weiteren 30 Kilometern hatte man der Vorsprung der Ausreißer wieder  auf siebeneinhalb Minuten zurückgeführt. 

Der Wind spielt heute auch eine gewisse Rolle. Im Moment kommt er ziemlich wuchtig von vorne. Das wird sich noch ändern. Allerdings denke ich mal, dass es auf diesen kleinen Straßen keine Windstaffeln geben wird. Bei den 6 Ausreißern sind auch heute wieder zwei Fahrer von Deceuninck Quickstep dabei dabei. Die Jungs müssen wohl hier ein wenig Strafdienst leisten. Gestern waren es Cavendish und Deqlercq. Heute sind es Ballerini und Lampaert.

110 km vor dem Ende zeigt sich Schottland von einer anderen Seite. Die Jungs fahren auf etwas breiteren Straßen und tatsächlich durch Waldgebiete. Das hätte man so gar nicht mehr gedacht. 10 km später sind wir wieder in der Steppe.

Die Zeitnahme bei der Tour of Britain wird offensichtlich nicht mit Schweizer Produkten durchgeführt. 96 km vor dem Ende haben die Ausreißer einen Vorsprung von 7:25. Einen Kilometer später sind es nur noch 3 Minuten und 30 Sekunden. Very british. Wer mal einen Jaguar hatte kennt das Problem. Wie erwartet, war es aber nur ein error. Zum Glück für die Ausreißer. 85 keys vor dem Ende waren es  immer noch über 7 Minuten zu deren Gunsten.

Er werden sogar wieder mehr. Denn die Grenadiere legen eine Kaffeepause ein. An der Spitze des Rennens. Entweder sind sie erschöpft oder sie machen auf Supermann. Würde mich nicht wundern, wenn sie gleich geschlossen in den Besenwagen einsteigen. Andere Teams melden bislang keine Interessen an.  Noch sind 78 Km zu fahren.

Den Ineos Grenadieren hilft nichts und niemand. Irgendwann bekommen sie wohl gesagt, dass sie hier zu Hause sind und auch noch den Leader der Rundfahrt in ihren Reihen haben. Der Vorsprung der Ausreißer geht wieder auf 8 Minuten hoch, noch sind 66 km zu fahren und die Grenadiere beginnen wieder widerwillig zu arbeiten. Manch einer von ihren hat heute irgendwie das Gefühl, das Radsport  vielleicht doch die falsche Wahl gewesen ist.

Bei den deutschen Fahrern mag das ähnlich sein. Die Hälfte ist schon ausgeschieden. Da zwei noch im Rennen sind, Greipel und Kanter, war die andere Hälfte quantitativ eh nicht so groß. André Greipel hat gar kein andere Wahl als weiter zu fahren. Ein nächstes Jahr im Radsport wird es für ihn nicht geben.

Ineos fährt den Vorsprung wieder runter. 48 vor dem Ende hat Ethan Hayter sein Trikot wieder auf seinen Schultern. Viele Zuschauer sind heute aber nicht am Straßenrand. Die Schotten können der Tour of Britain wohl nicht so abgewinnen. Vor ein paar Tagen in Cornwall gab es keinen freien Platz am Straßenrand. Ein Fahrer musste das bitter bezahlen. Er wurde beim Pinkeln gefilmt und ins Internet gestellt. Der Bürgermeister beschwerte sich bei der Tourleitung voller Tränen. Sein Ort als öffentliches Urinal und nun in der ganzen Welt bekannt. Die Jury verhängte prompt und gerne eine Strafe von 1000 Schweizer Fränkli. Das traf den armen Kerl bitter, denn man verdient bei der Tour of Britain nicht gerade die Welt. Der Sieger der Bergwertung, zum Beispiel, bekommt am am Ende in etwa die selbe Summe. Heute allerdings werden höchstens ein paar Kühe oder Schafe belästigt. Und die pinkeln ja auch mal gerne in der Öffentlichkeit.

35 Km kommt Hilfe. Alpecin Fenix übernimmt die Spitze im Peloton. Ineos nimmt gerne an. Viele fragen sich allerdings, was die da wollen. Die Ausreißer noch einholen?. Die 35 km vor dem Ende einen Vorsprung von 5:27 haben. Oder ist es eine Werbemaßnahme der Shampoe Boys zur besten Sendezeit? Am Abstand ändert sich zunächst nichts. Lassen wir uns überraschen.

Überraschung Überraschung. Die Ineos Grenadiere verschwinden von der Bildfläche und einige andere Teams übernehmen die Aufgabe. 22 km vor dem Ende haben die Ausreißer einen Vorsprung von 4:15. Frage. Was soll das nun?  Vielrechnen sie damit, dass die vorne ihre Spielchen beginnen. Das ist auch. Schon 18 km vor dem Ende versuchen die Ausreißer das Fell des Bären zu verteile. 5 Stück jedenfalls. Denn einer hat schon vorher geschwächt durch Anstrengungen des Tages das Handtuch werfen müssen.

Dann beruhigt sich die Szene wieder. Doch acht km vor dem Ende , als man weit über 2 MInuten im Voraus liegt, geht die Sause los. Lampaert von Deceuninck und Jorgenson von Movistar versuchen es im Alleingang. Kurz vorher haben die 5 noch beinahe Opi überfahren. Der wollte doch unmittelbar vor den Jungs über Straße schlurfen. Hat es auch gerade so geschafft. Viel hätte nicht gefehlt und die Coronaimpfung wäre  völlig unnötig gewesen.

Zu Lampaert und Jorgenson gesellt noch Gibson von Ribbi Weldtite Pro Cycling. Die drei Fahrer nutzen nun die gesamte Straßenbreite für ihre Spielchen.  Drei Kilometer und 2 Minuten. Das sollte für den Sieg langen. Von einem der drei. Am Ende macht es Yves Lampaert von Deceninck Quickstep auf den letzten 20 Metern. Der Oldie übertölpelt seine zwei Mitstreiter und holt sich den Sieg.

Die Ineos Grenadiere verteidigen dazu das Trikot ihres Leaders. Ein denkwürdiger Tag in den schottischen Bergen.

Ergebnis <<<<<

 

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