Philipsen räumt ab – Der perfekte Heimsieg bei der Baloise Belgium Tour 2026
Philipsen räumt ab – Der perfekte Heimsieg bei der Baloise Belgium Tour 2026
Es war ein Rennen, das bis zur letzten Sekunde spannend blieb. Die 95. Ausgabe der Baloise Belgium Tour, ausgetragen vom 17. bis 21. Juni, bot fünf intensive Tage belgischen Radsports – mit Sprintduellen an der Küste, einer hitzigen Königsetappe in den Ardennen und einem dramatischen Finale, das die gesamte Gesamtwertung auf den Kopf stellte. Am Ende stand Jasper Philipsen auf dem obersten Treppchen – und das Heimspiel des Alpecin-Premier-Tech-Mannes war ein voller Erfolg.
Auftakt im Hageland – Girmay eröffnet die Rechnung
Den Startschuss gab am Mittwoch eine 188 Kilometer lange Schleife rund um Scherpenheuvel-Zichem. Das wellige Terrain mit über 1.200 Höhenmetern ließ die Favoriten zunächst weitgehend unbehelligt – der Massenspurt entschied, und dort war Biniam Girmay schlicht der Schnellste. Der Eritreer vom NSN Cycling Team ließ Tim Merlier und Max Kanter hinter sich und schnappte sich damit auch das Führungstrikot. Ein starkes Signal des Weltklasse-Sprinters zum Auftakt.
Merlier dreht den Spieß um – Küstensprint in Knokke-Heist
Die zweite Etappe führte von Merelbeke-Melle hinunter an die belgische Nordseeküste nach Knokke-Heist – knapp 197 flache Kilometer, ideal für die Männer mit dem schnellen Antritt. Tim Merlier (Soudal Quick-Step) holte sich Revanche für den Auftakt und gewann den Sprint vor der Konkurrenz. Mit dem Etappensieg übernahm der Belgier auch die Führung im Gesamtklassement.
Die Entscheidung in Durbuy – Aranburu schlägt zu
Die Königsetappe am Freitag über 173 Kilometer mit Start und Ziel in Durbuy sollte das Rennen aufmischen – und das tat sie, wenn auch mit etwas Anlauf. Die Sprinterteams hielten das Tempo zu Beginn bewusst niedrig, sodass die schnellen Männer länger im Rennen blieben als erwartet. Erst auf der letzten Runde brach das Chaos aus: Jenno Berckmoes und Quinten Hermans forcierten auf dem Anstieg zur Petite Somme die Selektion, Angriffe reihten sich aneinander, Rick Pluimers probierte es solo, Mike Teunissen konterte in der Abfahrt.
Als sich der Staub legte, war es Alex Aranburu (Cofidis), der an der steilsten Rampe des Mur de Durbuy die beste Antwort hatte. Der Spanier verwies den Briten Lewis Askey auf den zweiten Platz und seinen Landsmann Carlos Canal auf Rang drei – und übernahm dabei auch die Gesamtführung. Es war bereits der zweite Sieg des Cofidis-Kapitäns auf diesem Anstieg, nachdem er auch 2024 in Durbuy triumphiert hatte.
Kooij schlägt Merlier und Philipsen – Ruhe vor dem Sturm
Die vierte Etappe nach Aarschot war ein Tag für die Sprinter, auch wenn das leicht hügelige Terrain zunächst Ausreißerchancen bot. Am Ende wurde das Feld sechs Kilometer vor der Linie wieder zusammengeführt, und im Massensprint war Olav Kooij (Decathlon CMA CGM) der Schnellste – knapp vor Merlier und dem immer noch auf seinen Wochensieg wartenden Philipsen. Aranburu verteidigte das Trikot problemlos.
Das dramatischste Finale – Philipsen holt sich alles
Der letzte Tag von Gingelom nach Hoeilaart über 183,7 Kilometer war von Beginn an mit Spannung aufgeladen. Nur zwei Sekunden trennten Philipsen und Aranburu in der Gesamtwertung – und mit Zeitbonifikationen auf dem Goldenen Kilometer sowie am Ziel war die Gesamtwertung noch vollkommen offen. Ein schwerer Massensturz brachte früh Unruhe ins Peloton und zwang sieben Fahrer zum Ausstieg, darunter mehrere Klassementaspiranten.
Im Finale lieferten sich Aranburu und Philipsen ein nervenaufreibendes Duell um Bonussekunden. Auf dem Goldenen Kilometer holte Philipsen vier Sekunden heraus, Aranburu antwortete und lag am Ende nur noch eine Sekunde vorne. Mit 18 Kilometern vor dem Ziel gab es kein Halten mehr: Uno-X zündete auf den Pflastersteinen der Mommaertsstraat die nächste Bombe, Jonas Abrahamsen machte auf den letzten Kilometern noch einmal Druck, bevor er im Schlusssprint eingefangen wurde.
Was dann folgte, war Philipsens Moment: Der Belgier aus Ham lieferte im Sprint das entscheidende Argument, siegte vor Jenno Berckmoes und Max Kanter – und sicherte sich damit sowohl den Etappensieg als auch den Gesamtsieg. Aranburu fiel auf Gesamtrang drei zurück, Berckmoes holte Silber im Endklassement.
Es war Philipsens erster Tageserfolg der Woche – und er wartete bewusst bis zum größtmöglichen Moment. Für den Alpecin-Premier-Tech-Mann ist es ein weiterer Beleg dafür, dass er nicht nur ein reiner Sprinter, sondern auch ein Rennfahrer mit taktischer Reife ist. Die Tour de France kann kommen.
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