Paris Roubaix. Eine Sache der Leidenschaft.

Das Rennen ist ein Anachronismus. Man will sich in die Zeit zurückversetzen in der die Bilder laufen lernten. Wie sagen die Seeleute immer. Als die Schiffe noch aus Holz waren und die Männer aus Eisen.

Deshalb sieht man es gerne, wenn gewisse Sadisten die  alten Pflastersteine wieder ausgraben und die Jungs sich freuen, darauf Radfahren zu dürfen.. 

Dabei tun die das ja eigentlich die meiste Zeit. Nur sind die Koppelstones halt in der Neuzeit in der Regel unter dem Asphalt versteckt. Wobei einige Bürgermeister ( Nicht gegendert, wie man sieht) und Meisterinnen (grins) halt meinen, es käme ihrem Ortsbild zu Gute, wenn man den Origianalzustand von Anno Dünnemal wiederherstellt. Natürlich ohne die ständige Kuhscheiße auf der Straße. Ach, war das damals ja so schön. Die gute alte Zeit. Den Autofahrern fällt der Vergaser aus dem Gesicht und den Radfahrern der Sattel aus dem Arsch.

Manche der Jungs mögen das Geratter. Manche so sehr, dass sie OTL ins Ziel kommen. Hauptsache, bei Paris Roubaix durchgekommen. Egal in welcher Zeit.

Deshalb sieht man schon zu Beginn der Pflastersteine das Sterben der Alligatoren. An der Spitze rasen die Jungs über die Äcker. Wobei man gerne die Asphaltstreifen am Rand benutzt. Ein paar Wochen später kommen die Olympioniken. Dabei sein ist alles. Und bis Roubaix schlagen wir uns irgendwie durch.

Irgendwie heißt es dann aber auch, dass man sich die leichten Paveeberge in der Hölle des Nordens gerne mal hochziehen lässt. Da ist dann das geübte Händchen des Mechanikers gefragt. Doch auch so kommt man ins Ziel. Ziemlich am Ende, aber noch im Zeitlimit. Man muss halt haushalten bei Paris Roubaix.

Sie fragen mich jetzt sicher, warum ich trotz alledem noch ab zu Mal nach Paris Roubaix fahre. Kann ich ihnen sagen. Weil auch wir halt den bekannten Sockenschuss haben. Machen sie mal was gegen die Viruserkrankung Radsport.

Nun aber noch kurz Renngeschehen. Das Rennen wird nicht in Paris sondern in Compiegne gestartet. Das erspart den Jungs, sagen wir schlappe 100 km. Also 360 Kilometer wären auch etwas übertrieben. Aber ich wäre mir sicher, dass sich auch hier ein paar Leute zusammenfinden würden.

Nachdem man fictif aus der Stadt herausgefahren ist, startet man offiziell beim berühmten Eisenbahnwagon. Wo man sich immer so gerne die rechte Hand gereicht hat, um dann den anderen mit der linken eine runter zu hauen.  Das Ding steht irgendwo im Wald. Es wird nur in der Hubschrauberperspektive TV mäßig eingeblendet.

Dann geht es aber in die Hölle des Nordens. Direkt nach dem Start versuchen einige der Jungs wegzukommen. das gelingt aber nicht. Man hat einen schönen heftigen Rückenwind und  so rast man ohne Probleme mit 60 Sachen nach Norden.

Irgendwann wird Jungs aber klargemacht, dass nun doch eine Spitzengruppe braucht. Wahrscheinlich haben sich die Fernsehdirektoren und Werbefritzen heftig beschwert. Und so finden sich dann ein paar Protagonisten, die Zeit bis zu den Pavees verkürzen. Mit dabei ist auch die Nummer 131. Das ist ein Fahrer von Bora hansgrohe. Marco Haller aus Österreich. Als er bei mir auf dem Pavee 24 der Berg erklimmt, ist er längst abgeschlagen und erschöpft. Er kommt kaum den Berg hoch. Für eine Motoreinheit ist er zu stolz und deswegen ist seine Aufgabe nur eine Frage der Zeit.

Andere kommen dagegen wie der Teufel den `Berg hoch gefahren. Die Gruppe mit Var der Poel hat sich mittlerweile an die Spitze des Rennen gesetzt. MVDP hat noch die Unterstützung von drei Teamkollegen. Aber auch Nils Politt ist noch mit dabei. Und der Fahrer vom Team UAE wird nicht locker lassen.

Ein wenig allerdings schon. Denn im Laufe der nächsten Pavees setzt Van der Poel ab. Sein Vorsprung wird immer größer und gegen Ende wird klar, dass ihm auch eine Panne nicht aus der Bahn werfen kann.

Er bekommt auch auf der Strecke reichlich Zuspruch von den Fans. Sind es belgische? Man gönnt ihm das eine andere Bier. Eine Frau entledigt sich sogar ihrer Kopfbedeckung und schmeißt sie dem Helden des Tages ans Fahrrad. Selbst die belgischen Journalisten sind empört. Das gehört sich auch so.

3 Minuten später, der Jubel für Van der Poel ist längst verklungen, erscheinen drei weitere Fahrer im Velodrom von Roubaix. Mit dabei ist Nils Politt. Zwei Podiumsplätze sind noch zu vergeben. Nils Politt erlebt ein dejavu. Er wird wieder von Mads Pedersen geschlagen. Was aber noch schlimmer für ihn ist, das Jasper Philipsen den Doppelsieg von Alpecin Deceuninck komplett macht.

Wenn den Jungen persönlich fragen, wird er ihnen voller Stolz sagen, dass es ein guter Tag war. Richtig so. Und ist es nicht für alle ein guter Tag, wenn sie ihn ohne Blessuren überstanden haben. Eigentlich braucht kein Mensch so ein Monument des Radsportes.

Ergebnis <<<<<

Das könnte interessant sein Powered by AdWol Online Werbung

Giro d’Italia. Doch. Nicht schon wieder.

Die heutige Etappe war die Verkürzung der verkürzten Etappe. Kurz. Kürzer. Livigno. Es hatte vie...

Giro d’Italia. Neapel sehen und sterben.

Ein Bilderbuchtag in der italienischen Provinz. Auf dem Weg nach Neapel fuhr sogar mal wieder a...

Giro d’Italia. Pogacar ist wiieder daaa.

Zugegeben. Der Buchmann  hat mir gestern nicht so gut gefallen. Da tackert einer anderthalb Ki...

Please follow and like us:
RSS
Follow by Email
YouTube
Instagram