Oktober 25, 2020

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Giro d’Italia Die 10.Etappe und die 22 kleinen Jägerlein

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Die neunte Etappe des Giro d’Italia  führt von Lanciano nach Tortoreto. Sie ist 177 km lang. Es geht die Adria hoch in Richtung Norden. Nur an wenigen Stellen wird die Küste verlassen. In Tortoreto ist flach. Falls die Sprinter über die Hügel kommen wird man dort wieder Sagan und Demare um das Maglia Ciclamino kämpfen sehen. 

Schon vor dem Ruhetag gab es ein wenig Aufregung.                                        Es ist doch immer schön, wenn man eine selbst Diagnose stellen kann.  Besonders, wenn man gerade auf einem Fahrrad sitzt und in Italien durch die Gegend fährt. Peinlich wird es nur, wenn man nicht gesehen werden will, wie man gerade sich eine Salbutamol Sprühdose vom Tourarztwagen abholen will. Und dabei ein Motorrad mit einer Filmkamera im Hintergrund  lauert. Das könnte ja zu blöden Verwechslungen führen. Da hat man eine TUES, mit der   man ja auch darf. Wenn man das Gefühl hat, dass man gerade einen akuten Asthmaanfall bekommt, weil einem  auf dem Fahrrad die Luft ausgeht und die anderen Kollegen ein wenig schneller fahren, als man es gerade selber könnte. Oder, vielleicht, weil man schon mal irgend so ein Trikot beim Giro hatte und das wieder haben möchte., dann ist es doch gut, dass der Giro Arzt weiß,  man hat eine Beeinträchtigung. Wenn man dann das Mittel so bekommen kann, warum sollte man diesen Service nicht nutzen. Stellen Sie sich doch einfach mal vor du, Sie hätten von ihrem Arbeitgeber eine hundertprozentige Bahncard bekommen, mit der sie durch ganz Deutschland kostenlos fahren  können. Warum sollten sie da nicht mal am Wochenende zu ihrer Oma fahren?  Die freut sich doch. Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen solchen Freifahrtschein. Wo  ist das Problem?

Auch nach dem Ruhetag gab es Aufregung. Ein paar Fahrer weniger. Wegen Corona musste Michael Matthews vom Team Sunweb das Rennen verlassen. Jumbo Visma hatte mit Steven Kruijswijk einen Coronakranken,  auch wohl weitere in der Staff und hat Italien verlassen. Auch Mitchelton Scott darf nicht mehr mitfahren. Die Blase hat nicht gehalten. Angesichts der weltweiten zweiten Welle auch kein Wunder. Die Politker haben das Ei über den Sommer geschaukelt und im Winter wird wieder gestorben.

RadsportGnadenlos. Sagen Sie. Zynisch. Vielleicht. Ich bin nur leicht verzweifelt wegen der Dummheit. Mir fallen dazu nur die Toten Hosen ein. Und die zehn kleinen Jägerlein. Machen wir also weiter. Keine Panik auf der Titanic. Solange das Orchester spielt.

 

In Chieti startet Peter Sagan mal wieder eine seiner scheinbar sinnlosen Attacken.  Im Anstieg zur Bergwertung fährt er mit Filippo Ganna vom Team Ineos davon und holt sich die drei Punkte. Toll! Jetzt muss er nur noch die nächsten 60 flachen Kilometer bis zum ersten Zwischensprint überstehen. Arnaud Demare wird es gelassen sehen.

Irgendwann kommen acht weitere Fahrer von hinten auf. Mit dabei ist Ciccone vom Team Trek Segafredo . Sehen Sie, das Zeug hilft doch ein wenig. Nun hat man eine schöne Gruppe zusammen. Allerdings scheint das Peloton nicht geneigt sein, sie fahren zu lassen. Dazu sieht dann Groupama FDJ bei der Arbeit.

Doch 88 km vor dem Ende gibt Groupama FDJ  plötzlich die Nachführarbeit auf. Man will wohl nicht den Fehler machen, den Bora hansgrohe während der Tour gemacht hat. Hat Sagan jetzt freie Fahrt?

Es scheint so, denn das Peloton schläft zunächst ein. Die Ausreißer bekommen 5 Minuten Vorsprung und Sagan verkürzt seinen Rückstand beim Zwischensprint um 12 Punkte. Doch dann fahren andere Mannschaften. Die Ausreißer verlieren an Terrain. In den steilen Hügeln haben sie nur noch eine Minute zu ihren Gunsten. Ganna, der zwischenzeitlich über beide Ohren grinste, wurde abgehängte, er konnte sich aber wieder herankämpfen. Die Gruppe mit Sagan hat 20 km vor dem Ende nur noch 30 Sekunden Vorsprung. Die Meute kommt wieder ran.

Es beginnt zu regnen und die Karten werden neu gemischt. Die Hügel kommen Peter Sagan entgegen und im Flachen liegt er alleine an der Spitze. Seine Pokerrunde ist aufgegangen. Andere, die am Anfang noch gelacht haben, fangen an zu weinen. Es ist nicht nur  der prasselnde Regen der die Gesichter verschmiert. Arnaud Demare hat am Ende des Tages sein Trikot behalten und der Portugiese Almeida auch. Der Tag hat viel gekostet. Man wird sehen. Aber die Show hat Peter Sagan an diesen Tag schon gestaltet.

Ergebnis <<<<

 

 

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