DM Radsport der Maenner. Vier Traeumer und ein harter Engel.
Deutsche Straßen-Meisterschaften 2026 – die Elite der Männer
Im grünen Herz Deutschlands ging es Ende Juni richtig zur Sache. Vom 26. bis 28. Juni 2026 war Thüringen Gastgeber der Titelkämpfe, nach zehn Jahren Pause wieder im Thüringer Wald. Organisiert vom Thüringer Radsportverband im Auftrag von German Cycling (ich moechte mal wissen wer sich diesen Namen ausgedacht hat, in Frankreich kaeme niemand auf so eine Idee) verteilten sich die Entscheidungen auf zwei Orte: das Einzelzeitfahren in Streufdorf am Freitag, die Straßenrennen mit Start und Ziel in Bad Liebenstein am Wochenende.
Der Kurs rund um Bad Liebenstein war kein Spaziergang. Eine Runde maß 27,3 Kilometer, führte über Steinbach, Brotterode und Brotterode-Trusetal, streifte den Rennsteig und sammelte pro Runde rund 570 Höhenmeter. Für die Männer-Elite bedeutete das am Sonntag, 28. Juni: sieben Runden, insgesamt 191,1 Kilometer und fast 4.000 Höhenmeter.
Zeitfahren – Sekundenkrimi in Streufdorf
Freitagmorgen, 9:30 Uhr, 41 Kilometer, 413 Höhenmeter – die Spezialisten waren gefordert. Es wurde ein Dreikampf auf Messers Schneide.
Nils Politt verteidigte seinen Titel hauchdünn in 48:25,3 Minuten. Das entspricht einem Schnitt von 50,809 km/h. Dahinter Max Walscheid mit nur 1,8 Sekunden Rückstand, Jasha Sütterlin folgte mit 2,16 Sekunden. Auf Platz vier landete Maximilian Schachmann (+13,47 s), vor Julian Borresch, Tim Torn Teutenberg, Lennard Kämna, Sebastian Niehues, Miguel Heidemann und Emil Herzog. Von 53 Startern kamen 52 ins Ziel.
Politt zeigte damit, dass er auf dem welligen Kurs seine Kraft perfekt einteilen kann – und dass die deutsche Zeitfahrspitze 2026 so eng beieinander liegt wie selten zuvor.
Straßenrennen – Engelhardt krönt sich im Sprint
Zwei Tage später, Sonntag 12:45 Uhr, stand das große Straßenrennen an. Auf dem schweren Kurs formierte sich nach knapp 191 Kilometern eine fünfköpfige Spitzengruppe, die den Zielstrich in Bad Liebenstein unter sich ausmachte.
Vier der Fahrer hatten sich am letzten Berg entscheidend abgesetzt. Sie vertraeumten aber den Sieg, auch weil sie sich nicht die Zahnschmerzen im Kiemen goennten. Das nutzte der bereits abgehaengte Felix Engelhardt aus, kam wieder von hinten ran und holte sich den Sieg. Die Gesichter der anderen vier Fahrer sahen entsprechend aus, nachdem sich
Felix Engelhardt (Team Jayco AlUla) den.Sieg holte. Der 25-Jährige setzte sich im Sprint vor Lennart Jasch (Tudor Pro Cycling) durch. Bronze ging an Nico Denz (Red Bull-Bora-hansgrohe). Knapp dahinter wurden Nils Politt Vierter und Georg Zimmermann Fünfter.
Für Engelhardt ist es der erste Elite-Titel auf der Straße – und ein starkes Ausrufezeichen nach einem Frühjahr, in dem er international bereits mehrfach in Ausreißergruppen glänzte. Dass ausgerechnet auf diesem Bergkurs ein Sprint einer kleinen Gruppe entschied, zeigt, wie selektiv, aber auch wie taktisch das Rennen war.
Was bleibt von der DM 2026
- Thüringen lieferte die Kulisse, die der DM oft gefehlt hat: enge Straßen, echte Anstiege, Zuschauer an jedem Anstieg rund um den Rennsteig.
- Im Zeitfahren bestätigte Politt seine Rolle als Maßstab, aber der Abstand zu Walscheid und Sütterlin war minimal – ein Generationen-Duell auf Augenhöhe.
- Im Straßenrennen setzte sich mit Engelhardt ein Fahrer durch, der nicht zu den absoluten Top-Favoriten zählte, aber den schweren Kurs und den schnellen Abschluss perfekt kombinierte.
Die Meistertrikots für 2026 gehen damit an zwei sehr unterschiedliche Fahrertypen: der kraftvolle Zeitfahrer Politt und der endschnelle Allrounder Engelhardt. Beide werden das deutsche Trikot in den kommenden zwölf Monaten bei WorldTour-Rennen tragen – und beide haben es sich im Thüringer Wald redlich verdient.
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