Pogačar schlägt am Tourmalet zurück – Gelbes Trikot zurückerobert
Tour de France 2026 – 6. Etappe: Pogačar schlägt am Tourmalet zurück und erobert Gelb
Die 6. Etappe der Tour de France 2026 hat gehalten, was sie versprach: den ersten großen Showdown in den Bergen. Auf der 186,2 Kilometer langen Strecke von Pau nach Gavarnie-Gèdre führte die Route über den Col d’Aspin und den Col du Tourmalet, ehe das Ziel bei der ersten Bergankunft dieser Tour-Ausgabe auf 1.380 Metern Höhe erreicht wurde. Am Ende stand ein Name ganz oben, der in diesem Jahr schon oft ganz oben stand: Tadej Pogačar.
Die Entscheidung am Tourmalet
Lange sah es nach einem geordneten Tag für die Favoriten aus, doch am Fuß des Tourmalet begann UAE Team Emirates-XRG, das Rennen zu diktieren. Pogačar hatte dort noch fünf Teamkollegen an seiner Seite, die er nacheinander verschliss, während die Favoritengruppe immer kleiner wurde. Schon zehn Kilometer vor der Bergwertung musste der bisherige Gelbe-Trikot-Träger Torstein Træen abreißen lassen. Im oberen Drittel des Anstiegs bestand die Spitzengruppe nur noch aus 15 Fahrern.
Die entscheidende Aktion kam knapp fünf Kilometer vor der Kuppe: Isaac del Toro zog das Tempo für seinen Kapitän an, ehe Pogačar selbst attackierte. 700 Meter später musste auch der Mexikaner abreißen lassen – 42 Kilometer vor dem Ziel war Pogačar allein an der Spitze. Von dort an fuhr der Slowene wie im Zeitfahren dem Sieg entgegen und baute seinen Vorsprung auf der langen Abfahrt und im moderaten Schlussanstieg immer weiter aus.
Souveräner Solosieg mit historischer Dimension
Nach einer Solofahrt über 43 Kilometer und einer Fahrzeit von 4:32:07 Stunden überquerte Pogačar als Erster die Ziellinie – vor den Augen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Jonas Vingegaard kämpfte sich als bester Verfolger tapfer durch, konnte das Tempo seines Dauerrivalen aber nicht mitgehen und kam mit 2:38 Minuten Rückstand ins Ziel. Dritter wurde mit einigem Abstand Pogačars Teamkollege Isaac del Toro.
Für Pogačar war es bereits der 23. Etappensieg bei der Tour de France, womit er auf den fünften Platz der ewigen Bestenliste der Etappensieger vorrückte, nur noch zwei Erfolge hinter André Leducqs Rekordmarke von 25 Siegen. Nebenbei sicherte er sich auf der Passhöhe des Tourmalet auch das Souvenir Jacques Goddet sowie die maximalen Bergpunkte, mit denen er zugleich das gepunktete Trikot übernahm.
Deutsche Fahrer überzeugen
Aus deutscher Sicht gab es ebenfalls Grund zur Freude. Remco Evenepoel behauptete sich in der Verfolgergruppe und wurde Vierter, während sein Red-Bull-Bora-hansgrohe-Teamkollege Florian Lipowitz als Sechster ins Ziel kam – mit vier Minuten Rückstand blieb er in Reichweite der Podiumsplätze. Am Tourmalet war Lipowitz nach den drei Ausnahmefahrern Pogačar, del Toro und Vingegaard zunächst der stärkste Verfolger und distanzierte zeitweise sogar Paul Seixas, ehe der Franzose in der Abfahrt wieder aufschließen konnte.
Drama um das Gelbe Trikot
Bitter verlief der Tag für Torstein Træen, der seit der 4. Etappe in Gelb gefahren war. Der Norweger konnte das hohe Tempo am Tourmalet nicht mitgehen und stürzte zu allem Überfluss auch noch auf der Abfahrt. Der Sturz ließ ihn für den Schlussabschnitt isoliert zurück, wo er vom Rennarzt behandelt wurde. Am Ende rutschte er bis auf Rang 28 der Gesamtwertung ab, mit 22:12 Minuten Rückstand.
Die neue Gesamtwertung
Mit dem Etappensieg hat sich das Klassement komplett neu sortiert. Pogačar führt nun mit 2:42 Minuten Vorsprung vor Jonas Vingegaard, während Teamkollege Isaac del Toro mit 3:27 Minuten Rückstand auf Rang drei liegt. Dahinter hat sich der Kampf um die weiteren Podiumsplätze deutlich zugespitzt: Remco Evenepoel liegt mit 3:30 Minuten auf Platz vier, Juan Ayuso mit 3:34 auf Platz fünf, Paul Seixas mit 3:55 auf Platz sechs und Florian Lipowitz mit 4:00 Minuten auf Platz sieben.
Bemerkenswert ist die Wende: Vor der Etappe lagen Pogačar und Vingegaard noch mit 7:53 Minuten Rückstand auf Træen – Pogačar hat diesen Rückstand von rund acht Minuten binnen eines einzigen Tages in einen Vorsprung von fast drei Minuten verwandelt.
Ausblick
Nach den Strapazen in den Pyrenäen wird es zunächst wieder ruhiger: Die 7. Etappe führt von Hagetmau nach Bordeaux über nur 850 Höhenmeter – ein Terrain, das eher den Sprintern in die Karten spielt. Die große Frage, die der Tourmalet aufgeworfen hat, bleibt dennoch im Raum stehen: Kann irgendjemand im Peloton Tadej Pogačar in diesem Jahr überhaupt noch gefährlich werden?
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