Der Unaufhaltbare: Tadej Pogačar triumphiert zum dritten Mal bei der Flandern-Rundfahrt

 

Pogačar dominiert die 110. Ronde van Vlaanderen – Van der Poel Zweiter, Evenepoel feiert starkes Debüt

Oudenaarde, 5. April 2026 – An einem strahlenden Ostersonntag hat Tadej Pogačar die Radsportwelt einmal mehr in Staunen versetzt. Der slowenische Weltmeister gewann die 110. Auflage der Flandern-Rundfahrt und holte sich damit seinen dritten Triumph bei „Vlaanderens Mooiste” – Flanderns Schönster. Nach 278,2 Kilometern von Antwerpen nach Oudenaarde rollte der Kapitän von UAE Team Emirates–XRG mit einem Vorsprung von 34 Sekunden auf Mathieu van der Poel als strahlender Sieger ins Ziel. Remco Evenepoel, der bei seiner Flandern-Premiere antrat, komplettierte das Podium als starker Dritter.


Das Rennen beginnt – Volksfeststimmung und frühe Ausreißer

Bereits am frühen Morgen herrschte in den Dörfern entlang der Strecke Volksfeststimmung. Tausende von Fans, viele in belgischen Farben oder den Trikots ihrer Lieblingsfahrer, säumten die Straßen. Der Start erfolgte traditionsgemäß in Antwerpen – in geraden Kalenderjahren ist die Hafenstadt die Startlocation der Ronde.

Vom Startschuss weg ging es lebhaft zur Sache. Attacken flogen durch das Feld, bevor sich schließlich eine größere Ausreißergruppe mit gut einem Dutzend Fahrern absetzte. Zu den bekanntesten Namen gehörten Silvan Dillier (Alpecin–Premier Tech), der normalerweise als Edelhelfer für Mathieu van der Poel fungiert, sowie Connor Swift (Ineos Grenadiers), Luke Lamperti (EF–EasyPost), Kamil Gradek (Bahrain Victorious) und Frederik Frison (Pinarello–Q36.5). Die Fluchttruppe baute ihren Vorsprung zeitweise auf über fünf Minuten aus, da das Peloton zunächst kontrolliert agierte. UAE Team Emirates übernahm über Mikkel Bjerg die Tempoarbeit an der Spitze des Feldes und begann, den Rückstand systematisch abzuschmelzen.


Bahnübergang sorgt für Chaos und Neutralisierung

Dann kam das unerwartete Drama: In Lede, knapp zur Hälfte des Rennens, hielt eine geschlossene Bahnschranke das Peloton auf. Ein Zug schnitt das Feld in zwei Hälften – zahlreiche Fahrer, darunter auch Pogačar und Evenepoel, wurden hinter den Schranken aufgehalten, während andere bereits passiert hatten. Die Rennjury entschied sich zur Neutralisierung und führte das Feld wieder zusammen. Der Zwischenfall sorgte nicht nur für einen Rhythmusbruch, sondern warf im Anschluss auch regelrechtliche Fragen auf: Einige Fahrer hatten den Bahnübergang trotz geschlossener Schranken passiert, was laut UCI-Reglement zu einer Disqualifikation führen kann. Dieser Umstand beschäftigte die Radsportwelt noch lange nach dem Rennen.


Die Kopfsteinpflaster fordern ihren Tribut

Nach der Wiederaufnahme nahm das Rennen rasch wieder Fahrt auf. Auf den ersten Kopfsteinpflastersektoren kam es zu weiteren Zwischenfällen: Connor Swift stürzte heftig nach einem Kontakt mit einer Bordsteinkante und verlor kurzzeitig den Anschluss an die Spitzengruppe. Auch Gianni Vermeersch musste mit einem Platten anhalten und verlor wertvolle Zeit. Das Feld zerriss zusehends, und die Positionskämpfe vor den berüchtigten Hellingen wurden immer intensiver.


Molenberg: Das Rennen nimmt Form an

Rund 103 Kilometer vor dem Ziel, am Molenberg, schlugen die UAE-Helfer erstmals mit voller Kraft zu. Ein kraftvoller Zug an der Spitze sprengte das Peloton. Florian Vermeersch forcierte ein hartes Tempo und zerriss das Feld endgültig. Aus dem Chaos heraus bildete sich eine Verfolgergruppe von 17 Fahrern, in der alle Topfavoriten vertreten waren: Pogačar, Van der Poel, Evenepoel und Van Aert. Diese Elite-Gruppe holte die verbliebenen Ausreißer schnell ein und übernahm die Spitze des Rennens.

Die nun vereinte Führungsgruppe zählte rund 25 bis 30 Fahrer. Pogačar und Evenepoel agierten besonders aktiv, testeten immer wieder mit kleinen Attacken die Beine der Konkurrenten. Van der Poel fuhr nach seiner gewohnten Manier: gelassen, stets leicht dahinter, aber jederzeit in der richtigen Position. Van Aert musste nach frühen Positionsproblemen Energie aufwenden, um immer wieder Anschluss zu finden.


Die Schlüsselmomente: Kwaremont, Paterberg und Koppenberg

Der Oude Kwaremont – jener legendäre, 2,2 Kilometer lange Anstieg aus Kopfsteinpflaster und Naturbelag – ist seit Jahren das Herzstück der Ronde. Und auch 2026 sollte er das Rennen entscheiden, gleich mehrfach.

Bei der zweiten Auffahrt zum Kwaremont explodierte das Rennen. Pogačar startete eine kraftvolle Beschleunigung, die das Feld sofort unter enormen Druck setzte. Van Aert reagierte als Erster und klebte am Hinterrad des Slowenen, während Van der Poel und Evenepoel nach einer kurzen Lücke um den Anschluss kämpften. Aus dieser Bewegung formte sich das entscheidende Quartett der vier Stärksten des Tages. Doch auf den letzten Metern des Anstiegs geriet Van Aert ins Straucheln und musste die drei anderen ziehen lassen.

Am Paterberg, 51 Kilometer vor dem Ziel, verdichtete sich das Trio weiter. Der steile, kurze Anstieg mit seinen rauen Kopfsteinpflastern ist eine Tortur für jeden, der nicht vollständig frisch ist. Hier verlor Evenepoel den Anschluss. Der belgische Doppel-Olympiasieger gab nicht auf und versuchte auf der Anfahrt zum Koppenberg, dem nächsten Anstieg, wieder aufzuschließen. Tatsächlich kam er bis auf vier Sekunden an das Spitzenduo heran – doch das Kopfsteinpflaster des Koppenbergs zeigte ihm erneut die Grenzen auf. Auch die Mariaborrestraat, einer der zermürbenden mittleren Anstiege, setzte Evenepoel weitere Male zurück.


Die Entscheidung: Solo am Kwaremont

Nun waren es noch Pogačar und Van der Poel – das Duell, auf das die Radsportwelt seit Wochen gewartet hatte. Der Niederländer hatte vor dem Rennen offen zugegeben, dass es sehr schwer werden würde, den Slowenen zu schlagen. Doch er wollte unbedingt seinen vierten Ronde-Sieg holen und damit alleiniger Rekordhalter werden.

17 Kilometer vor dem Ziel erfolgte die dritte und letzte Auffahrt zum Oude Kwaremont – und dort fiel die endgültige Entscheidung. Pogačar setzte erneut an, diesmal mit einer Kraftentfaltung, der auch Van der Poel nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Der Niederländer brach ein, und Pogačar rollte allein dem Ziel in Oudenaarde entgegen. Sekunde um Sekunde baute er seinen Vorsprung aus – 34 Sekunden Vorsprung auf Van der Poel, 1:11 Minute auf Evenepoel, 2:04 Minuten auf Van Aert und 2:48 Minuten auf den Dänen Mads Pedersen, der als Fünfter ins Ziel kam.


Reaktionen: Pogačar blickt auf Paris-Roubaix

Im Flash-Interview nach dem Zieleinlauf zeigte sich Pogačar gewohnt bescheiden, aber auch klar in seiner Analyse: „Es war schon sehr früh super hart. Danach war es etwas abwartender, aber man musste trotzdem den Druck auf den Pedalen aufrechterhalten.” Den entscheidenden Moment sah er nach dem Koppenberg: „Nach dem Koppenberg wollte ich auf jeden Fall nicht, dass Remco wieder zurückkommt.” Mit Blick auf Paris-Roubaix, das am kommenden Sonntag auf dem Programm steht, gab sich der Weltmeister hungrig: Er fahre derzeit wenige Rennen, weshalb der Druck groß sei, bei jedem Start zu gewinnen – und bis jetzt laufe alles nach Plan.

Van der Poel, der bereits vor dem Rennen geahnt hatte, dass er gegen Pogačar wenig Chancen haben würde, zeigte sich trotz der Niederlage sportlich. Für ihn bleibt der alleinige Siegrekord in Flandern vorerst ein Traum.

Remco Evenepoel indes blickt nach seinem starken Debüt in die Zukunft. Der belgische Superstar, der in dieser Saison zu Red Bull–Bora–hansgrohe gewechselt ist, zeigte, dass er in den Frühjahrsklassikern eine ernste Größe sein kann. „Ich habe Blut geleckt”, ließ er nach dem Rennen wissen.


Ergebnis der 110. Flandern-Rundfahrt (278,2 km)

Platz Fahrer Team Rückstand
1 Tadej Pogačar UAE Team Emirates–XRG
2 Mathieu van der Poel Alpecin–Premier Tech +0:34
3 Remco Evenepoel Red Bull–Bora–hansgrohe +1:11
4 Wout van Aert Visma–Lease a Bike +2:04
5 Mads Pedersen Lidl–Trek +2:48

Fazit: Eine Klasse für sich

Die 110. Flandern-Rundfahrt hat einmal mehr gezeigt, dass Tadej Pogačar derzeit in einer Liga spielt, die für alle anderen unerreichbar zu sein scheint. Drei Ronde-Siege, zwölf Monument-Siege insgesamt – die Zahlen allein erzählen die Geschichte eines der größten Radsportler aller Zeiten. Während die Konkurrenz hofft und kämpft, scheint der Slowene die härtesten Rennen der Welt mit einer Leichtigkeit zu bewältigen, die Fans und Experten gleichermaßen fassungslos zurücklässt. Das nächste Kapitel wartet bereits in einer Woche: Paris-Roubaix ruft.

 

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