Sa. Okt 19th, 2019

Tour de France. Es geht los.

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Sind wir bislang in der Gegend von Brüssel rumgeeiert, so zeigt heute die Richtung eindeutig gen Süden. Schnurstracks geht es von der Binche, nahe der belgischen Grenze zu Frankreich, Richtung Epernay. Einen Teil des Trails hatte ich gestern Abend schon  zurückgelegt.

Den Großteil, rund 180 Km, aber für den heutigen Tag vorbehalten. Landschaft zählt. Gestern hatte ein Kellner noch vor dem Rennen und vor seinem Lokal ein Rund Chi hingelegt. Die wenigen frühen Passanten hatten dem seltsamen Treiben ein wenig beunruhigt zugeschaut. Heute habe ich meine Zen Aktion begonnen. Nur den schwarzen Pfeilen auf den gelben Schildern folgen und an nichts sonst denken. Hört sich einfacher an als es ist, denn die Route folgt oft Einbahnstraßen und da muss man umdenken.

Meist ging es aber über endlose Getreidefelder, als auf der Straße, aber mitten durch. Was mich mal wieder gewundert hat, dass auch heute wieder so viele Wohnmobilisten am Straßenrand stehen. Es sind tausende. Die meisten stehen in Gruppen von 5 bis 10 Wagen am Straßenrand. Sie kommen aus Frankreich und Belgien. Ein paar Deutsche sind auch dabei.

Kurz vor Epernay, am Ende des letzten Berges, stand Didi der Tourteufel. Habe kurz gehalten und ihn begrüsst. Aber ich denke mal, er hat mich nicht wiedererkannt, obwohl ich letztes Jahr bei der Deutschland Tour ein kleines Interview mit ihm gemacht habe. Der Mann kennt halt viele Leute und ist selber so bekannt wie die Tempo Taschentücher.

Was mich gewundert hat, wir sind ja in der Champagne, dass es nördlich von Reims keine Weintrauben gibt. Erst südlich davon, in den Hügeln der Marne findet sich ein Gut neben den anderen.

Am Beginn der Weinstöcke stehen im Rosen. Die sind empfindlicher als der Wein. Wenn es den Rosen schlecht geht, wissen die Winzer, dass Handlungsbedarf besteht. Die Bergleute hatten dafür Kanarienvögel.

Ich bin des öfteren auf den freien Flächen ausgestiegen um hier und da ein Foto zu schießen. Dort oben hat der Wind ganz ordentlich geweht. Er kam von hinten und mit Changs werden sich heute Windstaffeln bilden. Das wäre wieder was für die Holländer und natürlich für das Team Quickstep. Aber hinter Reims kommen mit den Weinbergen drei steile Anstiege. Ich bin sie mit dem Auto hochgefahren. Die kleinen Straßen habe es wirklich in sich. Ich glaube nicht, dass heute ein Sprinter durchkommen wird. Wenn konsequent gefahren wird.. Hinten raus ist es wieder flacher. Doch kurz vor Epernay kommt noch ein kleiner Berg. Von dem geht steil nach Epernay runter. Der letzte Kilometer ist dann flach. Dachte ich. Doch dann bin ich zum Ziel gelaufen. Und das waren vom Presseparkplatz noch 2 km. Der erste km war flach. Doch der letzte ging so was von steil auf die Champusberge hoch. Da wird sicher kein Sprinter hochkommen. Frage mich, was dieser Unsinn zu Beginn einer Rundfahrt soll? Sollen gleich die Bergflöhe ins Gelbe schlüpfen und die Sprinter schon nach zwei Tagen nach Hause gehen. So wird es nie einen dopingfreien Sport geben. Hab sowieso nicht das Gefühl, das das einer aus der alten Kaste will. Die Lippenbekenntnisse kotzen einen schon ein wenig an.

Hatte die Abzweigung fast übersehen, weil ich nicht mehr damit gerechtnet hatte. Ein Kollege vom französischen Fernsehen zeigte mir im Vorbeifahren einen Vogel. Ist das etwa die deutsch französische Freundschaft. Schließlich folgte ich brav der Strecke und wurde von netten Polizisten auf dem Presseparkplatz eingewiesen. Meine vielen Aufkleber von den Radsportveranstaltungen sind wohl etwas zu kompliziert und ich folge nur der Handbewegung.

Ich möchte natürlich noch einige Worte zum gestrigen Tag verlieren. Das Team Jumbo Visma hat natürlich voll überzeugt. Zwei Etappen, zwei Siege. Mehr geht nicht. Trotzdem bezweifele ich, dass Steven Kruijswijk am Ende auf dem Podest stehen wird. Seit dem Sturz beim Giro vor ein paar Jahren ist er nicht mehr in die Pötte gekommen. Heute könnte jeder der ersten drei , Teunissen, Van Aert und Kruijswijk, das gelbe Trikot übernehmen. Für Tony Martin werden die Berge zu schwer sein. Denke ich mal.

Aber es gab gestern auch Verlierer und Gewinner. Geraint Thomas, ich denke manchmal Thomas Geraint. Geht ihnen auch so? Also Geraint Thomas ist natürlich der Gewinner. Von den Favoriten ist derjenige, der am wenigsten Zeit verloren hat. Und Egan Bernal natürlich. Richtig Zeit aufgebrummt bekommen hat mal wieder Nairo Quintana. Die Spanier von Movistar können einfach nicht Zeitfahren. Der kleine Kolumbianer wird noch mal zusehen dürfen, wie sein Landsmann Bernal die Tour abschießt. Vielleicht schon dieses Jahr.

Emanuel Buchmann von Bora hansgrohe liegt auch schon 30 Sekunden hinter Thomas und Bernal. Die sind sich schwer aufzuholen. Genauso geht es Fuglsang von Astana.

Am schlimmsten dran sind Richie Porte von Mitchelton Scott und Romain Bardet von Ag2R. Warren Barguil von Arkea Samsic liegt scho anderthalb Minuten zurück. Die werden sich nicht fahren gelassen. Thomas und Bernal brauchen im Moment nur reagieren. Das liegt beiden. Aber das hat das Teamzeitfahren die Tour entschieden. Ich glaube nicht. Dann wäre ja auch die Spannung jetzt schon weg.

Das Rennen ging zur Freude der Franzosen aus. Zunächst bildete sich die übliche Ausreißergruppe. Die fünf Fahrer, mit dabei war wieder Stefane Rossetti vom Team Cofidis, fuhren einen Vorsprung von maximal 6 Minuten heraus. Dann wurde es immer weniger. Schließlich nahm sich Tim Wellens ein Herz und setzte zu seinem berüchtigten Alleingang an. Der gelang auch bis zur letzten Bergwertung. Kurz darauf wurde er von Julian Alaphilippe vom Team Quickstep eingeholt und stieg vom Rad. Diese Bergwertung war nicht der letzte Hang der hoch gekrochen werden musste, aber der entscheidende. Das Feld zersplitterte und Mike Teunissen vom Team Jumbo Visma wurde abgehängt. Er verlor sein Trikot an den beliebten Franzosen. Der jetzt noch mehr Punkte bei seinen Landsleuten hat.

Alaphilippe zog die Sache die letzten 10 km durch er hielt den Abstand immer auf rund 30 Sekunden. Den letzten Berg zum Ziel hoch wankte er, doch hielten seine Kräfte durch und im flachen Teil 50 m vor der Ziel konnte er jubeln. Er wusste, dass niemand ihn mehr einholen konnte. Lohn für die Arbeit war das gelbe Trikot. Peter Sagan darf jetzt das Grüne Trikot als rechtmäßiger Besitzer tragen und Tim Wellens hat sich mit seinem Gewaltritt das Bergtrikot geholt. Das Weiße behält Wout Van Aert von Jumbo Visma. Das Gelbe hätte er sicherlich lieber, aber der Anstieg am Ende war wohl zu steil.

Ergebnis >>>>>>

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