Mo. Dez 16th, 2019

Ruta del Sol. Astana dominiert.

4 min read

Doch, wenn drei Fahrer unter den ersten Vier am Ende einer Rundfahrt zu einer Mannschaft gehören, dann sollte man von Dominanz sprechen. Was Deceuninck für die Tagessiege sind, sind Astana für die Rundfahrtensiege. Man gewinnt halt oft. Das Geschäft ist mörderisch geworden. Die Schlagzeilen für die Tour de France sind meist vergeben, also muss man seinen Sponsor an den anderen Tagen in den Medien präsentieren. In vielen Ländern gelingt das auch. Nur halt in Deutschland nicht. Da ist es völlig wurscht, ob du in Spanien oder Italien oder sonstwo in der Welt eine drittklassige Rundfahrt gewinnst oder ob in China eine Tür zu fällt.

Eigentlich schade, aber was will man machen, wenn wir gerade wieder Teamweltmeister im, ja was denn nur, ach im Skispringen, Rodeln oder Hulahupp geworden sind. Also Teamweltmeister im Hulahupp stell ich mir echt schwierig vor. Schwieriger als Hallenhalma. Wenn ich da manchmal die Kommentare oder gar die Interviews mir anschaue, dann fällt mir einiges ein. Nur nicht, warum ich denen für ihre Weisheiten meine Gebühren in den Hals stecken muss.

An dieser Stelle zitiere ich immer gerne Heinrich Heine.

Schwarze Röcke, seidne Strümpfe,
Weiße, höfliche Manschetten,
Sanfte Reden, Embrassieren –
Ach, wenn sie nur Herzen hätten

Herzen in der Brust, und Liebe,
Warme Liebe in dem Herzen –
Ach, mich tötet ihr Gesinge
Von erlognen Liebesschmerzen.

Auf die Berge will ich steigen,
Wo die frommen Hütten stehen,
Wo die Brust sich frei erschließet,
Und die freien Lüfte wehen.

Auf die Berge will ich steigen,
Wo die dunkeln Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen,
Und die stolzen Wolken jagen.

Lebet wohl, ihr glatten Säle!
Glatte Herren, glatte Frauen!
Auf die Berge will ich steigen,
Lachend auf euch niederschauen.

Wenn man es immer nur mit Humor nehmen kann.

Reden wir doch lieber von der Ruta del Sol. Vergessen wir den ganzen Mist und das Radsport nun eine wirklich begeisternde Sache ist. Wenn man den ganzen Tag am Straßenrand steht und die Jungs dann in 30 Sekunden vorbeirauschen. Da hat vorher das Kopfkino ordentlich gearbeitet. Manche Menschen begreifen das überhaupt nicht, andere begreifen nicht, wieso sie persönlich von diesem Virus befallen sind.

That´s Sport.

Die letzte Etappe der Ruta del Sol führte von nach. Also irgendwo durch Südspanien. Hätten nicht die Spanier das Gebiet vor einigen 100 Jahren zurückerobert, wäre die Rundfahrt ein Teil der Marokko Rundfahrt oder Kolumbus hätte Amerika nicht entdeckt. Was den Eingeborenen sicher auch recht gewesen wäre.

So sind die Jungs heute noch einmal 164 km durch ehemals moslemisches Gebiet gefahren. Der Name des Zielortes Alhaurin de la Torre deutet sicher darauf hin. Torre ist aber doch spanisch. Oder haben die den Namen auch von den Arabern abgestaubt?

Torre hört sich jedenfalls für Radrennfahrer schlecht an. Zumindest wenn der Zielort diese Bezeichnung trägt. Das deutet auf Arbeit hin und dass man den wohlverdienten Ruhestand um einige schwere Minuten hinauszögert. Oder gar, dass man sich die vorher mühsam erarbeitete Butter wieder vom Brot nehmen lassen muss, weil ein paar Herren, die sich vorher im Windschatten an den Anstieg chauffieren haben lassen, nun ausklinken. Radsportschicksal, alleine wären diese Bergflöhe wahrscheinlich nicht mal über einen Zebrastreifen gekommen.

Gut, die Ausreißer hatten die Burschen an den Hacken und da die Sportlichen die Peitschen rausholten, sahen sie bald auch deren Rücklichter. Das tut weh und ist halt schlecht bezahltes Proletenschicksal.

Aber dieser Torre lag nun nicht auf der Anhöhe. Dieser Torre lag am Meer oder jedenfalls nahebei  und die Zielgerade war allerhöchstens ein wenig ansteigend. Trotzdem blieb die Ausgangssituation die gleiche. Nur dass jetzte nicht die Bergflöhe auf den letzten Kilometern ausklingten, sondern die Sprinter sich gemütlich im Windschatten auf die letzten zweihundert Meter im Windschatten führen ließen und dann ihr Geschäft erledigten.

 

Zuungunsten irgendwelcher Proleten, die den ganzen Tag sich im Wind abgestrampelt hatten.

Gewonnen hat die Etappe also ein Sprinter. Matteo Trentin, seines Zeichens Europameister vom Team Mitchelton Scott, machte nicht viel Federlesens und zermatschte die Kollegen auf der Zielgeraden.

Doch konnte er natürlich nicht mehr verhindern, dass Jakob Fuglsang von Team Astana die Rundfahrt gewann.

Ergebnis >>>>>

 

 

 

Please follow and like us:
error

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

RSS
Follow by Email
Facebook
Twitter
YouTube
Instagram