Mo. Dez 16th, 2019

Giro D`Italia. Italia Brutto.

5 min read

 

 

Gestern wollte ich eigentlich nach Cassino fahren. Sie kennen den Ort sich mit dem Zusatz Monte. Aber der Regen hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Straßen standen unter Wasser und da der Klügere bekanntlich nachgibt, habe ich meine Kiste an den IMG_8837 (2)Straßenrand gestellt. Morgens waren die Seen weg und die Schlaglöcher wieder gut zu erkennen. In Cassino fand ich relativ schnell die Strecke und da die Sonne schien, konnte ich auch das Kloster oben auf dem Berg sehen. Von da aus ging es quer übers Land auf die andere Seite des Stiefels. Nach San Giovanni die Rotondo. Der Tag könnte auch gut von Kloster zu Kloster oder 238 km zum nächsten Heiligen heißen. Ich sitze hier nun im Heiligtum, der Tempel ist so gut gebaut, dass man kein Internet über den Telefon Hotspot bekommt. Der vom Giro ist mir zu teuer und die Kirche hat bekanntlich andere Wege zu Gott gefunden.

Nach der Sonne in Cassino kam das Unheil in den Abruzzen. Es fing wieder an zu regnen. Irgendwie waren da noch von gestern ein paar Wolken hängengeblieben. Trotz wunderte ich mich wie man relativ komfortabel auf Landstraßen, die hier Superstraßen heißen,  voran kommt. Das SS macht mich immer ein wenig nervös. Bei uns würde man sich das verkneifen. SS 6 oder sowas.IMG_8842

Irgendwann steht wieder Obrigkeit an den Straßenrändern und reguliert den Verkehr. Das macht die Sache einfacher. Alle anderen werden angehalten und ich fahr auf der linken Seite vorbei. Doch, Italien hat was.

Die Straßen sind aber meisten bekannt schlecht. Ich muss die Jungs  mal fragen, ob sie für den Giro Spezialreifen aufziehen. Solche, die man bei Paris Roubaix verwendet, könnten gerade ausreichen. Darüber muss man sich klar sein. Das sind hier keine läppischen 52 km Kopfsteinabschnitte. Das ist hier jeden Tag so. Die gut asphaltierten Abschnitte sind die Ausnahme. Ansonsten reiht sich Schlagloch an Schlagloch. 3000 Kilometer lang. Ich glaube, es gibt eine Tour de Tortur oder so was. Der Veranstalter sollte mal nach Italien zum Giro kommen, dann nennt er sein Rennen in Tour der Weicheier um.

 

DSC_8909 (2)Ein Sprinter wird heute nicht gewinnen. Das würde mich wundern. Denn es geht 25 km vor dem Ende in sehr  vielen Serpentinen über 600 m Höhenmeter zur Coppa Casarinelle hoch. Wer da oben steht, kann die Fahrer schon von weiten auf der flachen Ebene anfahren sehen. Und die Serpentinen sind vom oben auch gut einzusehen. Nicht nur ein Bild für die Zuschauer  im Fernsehen. Dementsprechend ist der Ort oberhalb schon am Mittag gerammelt voll.

Primoz Roglic scheint Probleme zu haben. Er DSC_8658hält sich am Wagen des Giro Arztes fest und bekommt ein Pflaster auf den Arsch gepflanzt. Von außen auf die die Hose. Die Jungs haben heute einen langen Tag. Mit 238 km ist die Etappe die zweitlängste. Die Längste kommt übermorgen und hat einen Kilometer mehr. Da die Burschen schon um 11 Uhr 20 angefangen haben sind sie schon 2 Stunden unterwegs. Die Zielankunft ist ab 17 Uhr geplant. Bei einem Schnitt von 38 Km/h wird es bis 17 Uhr 30 dauern. Kurz vor der Ziellinie in San Giovanni Rotondo ,müssen sie abbiegen und noch eine Runde von 5 Km fahren. Ich denke aber, dass es keinen Massensprint geben wird. Vielmehr werden sich die Favoriten im Anstieg ein wenig abschlachten. Nachdem Anstieg kommt noch einen kleine Welle. Es hat dann aber nur  noch überwiegend 15 abfallende bis flache Kilometer bis ins Ziel nach San Giovanni Rotondo.

157 km vor dem Ziel hat man schon 81 km hinter sich und eine 13 köpfige Ausreißergruppe vor sich. Mit einer Zeit von 3 Minuten 47. Es ist kalt, die Jungs sind dick eingemummelt, doch regnet es zur Zeit nicht. Das Tempo scheint hoch zu sein. Das Feld zieht langgezogen durch die Hochtäler. Das komplette Team von Jumbo Visma leistet heute die Nachführarbeit. Auf die Sprinter können sie heute nicht zählen.

150 km vor dem Ende können wir auch über einige andere Dinge reden. Ich  fahre fast jeden Tag die Strecke ab und sehe so einiges. Was mir schon auffällt, sind die wenigen Zuschauer. Wenn die Jungs vorbeikommen, strömen sie aus ihren Häusern kurz an die Strecke. Aber diesen Wohnmobiltourismus, wie in Frankreich, sieht man hier überhaupt nicht. Ich habe während der ganzen Zeit kein einziges gesehen. Dabei geht es wunderschöne Landschaften. Also ich kann das nur empfehlen. Zumal die Polizei sie irgendwann mal aus dem Verkehr an den Straßenrand schickt und man dann nicht ewig hinter Jean Piere im Schritttempo her kurven  muss. Denn die Straßen in Frankreich sind oft eng und Jean Pierre macht sicherlich nicht Platz.

Zum anderen ist die Dopingwelle jetzt auch in Italien angekommen. Alessandro Petacchi lässt wegen der Vorwürfe der Zusammenarbeit mit Mark S. seine Arbeit als Kommentator bei der RAI ruhen. Des weiteren sind einige Fahrer und ein Offizieller von  Bahrain Merida und UAE unter Verdacht. Das sind natürlich die ehemaligen italienischen Topteams gewesen. Doping  ist in Italien ein Straftat, insoweit kann auf die Betroffenen einiges zukommen.

Wenn man die Jungs jeden Tag so hart arbeiten sieht, hat man natürlich ein gespaltenes Verhältnis zu der Sache. Welche Leistung ist echt. Welche Leistung beruht auf Täuschung. Hart arbeiten tun sie alle und man kann keinen, bloß weil er gewinnt, etwas nachsagen.

Vielleicht ist es doch am besten, diesen klaren Schnitt zu machen. Alle über 20 fahren in einer eigenen Liga, samt den Offiziellen und die jungen Fahrer bauen eine eigene neue Word Tour auf. Das gilt im Prinzip für alle Sportarten. Fertig.

Aber wer will das schon? Ich höre schon das Aber von allen Seiten. Gedopt wurde auch bei den Amateuren schon immer, auch vor der Zeit, als Profis zu den Olympischen Spielen zugelassen wurde.

105 km vor dem Ende ist der Vorsprung auf über 6 Minuten angeschwollen.

Die Jungs an der Spitze kommen auch gemeinsam in den Berg. Sie haben einen ausreichenden Vorsprung von gut 6 Minuten. Das sollte auf dem im Durchschnitt 4 Prozent steilen Anstieg ausreichen. Masnada  von Androni ist der erste, der die Initiative ergreift, Conti  vom Team UAE ist der einzige der folgen kann. Die beiden kommen gemeinsam zur Bergwertung der 2 Kategorie. Conti überlässt sie ihm.

Das gibt also keinen Streit und Conti hat die Unterstützung von Masnada für die letzten 13 km. Fragen sie mich nicht, ob die beiden sich abgesprochen haben, aber ab der Bergwertung wusste Conti, dass er der neue Leader der Rundfahrt sein würde. Jumbo Visma hatte den ganzen Tag gearbeitet, war wohl müde oder hatte keine Lust mehr jeden Tag die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Der Abstand war am Ende  beachtlich. Masnada gewann die Etappe und Conti holte sich das rosa Trikot. Auch sonst gab es einige Veränderungen. Superman Lopez von Astana musste das weiße Trikot an einen Italiener abgeben. Pascal Ackermann erschien mit 22 Minuten Rückstand als letzter seiner Gruppe und des Rennens im Ziel.

Er behielt das Maglia Ciclamino. Fragen sie mich nicht warum die Jungs heute zum Superteam ausgerufen wurden. Kommt vielleicht jeder mal dran. Bei 21 Tagen geht nur ein Team dann leer aus. Vielleicht gibt es ja noch ein Superteam für den besten Ruhetag.

Ergebnis >>>>

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