Do. Dez 12th, 2019

Giro D`Italia. Der zweite Tag. Die hässliche Seite von Italien

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Gestern Abend hatten die Jungs Glück gehabt. Kaum war das Rennen zu Ende, kaum hatte der letzte Fahrer wieder seinen Bus erreicht, begann es ordentlich zu wehen. Nach der Böenwalze kam die Schauerwalze, nett mit Hagel. Die haben echt Glück gehabt beim Giro D´Italia. Wohl vorsorglich hatten sich die Stars an die erste Stelle gesetzt.

Heute morgen hatte ich die großartige Idee durch Bologna zu fahren. Hatte mir das ganz gut angeschaut, auf dem Plan. Aber in der Realität bin dann an den Einbahnstraßen gescheitert. Einmal falsch abgebogen und es ist vorbei. Nach einer Weile Hin und Herkurvens bin dann tatsächlich auf der Strecke gelandet. In entgegengesetzter Richtung. Aber das konnte man korrigieren.

Dann zeigte Italien seine schlechte Seite. Es schüttete und es war kalt. Auch wenn ich jetzt die Bilder von den Jungs auf den Fahrrädern sehe, wie sie dick eingepackt kalt duschen, kann ich ihnen leider nicht zurufen, es wird gleich besser. In der Emilia Romagna herrscht die Trisstesse pur. Es ist nicht nur der Regen. Man scheint den Giro gar nicht wahrzunehmen. Nirgendwo ein wenig rosa. Nichts. Ich dachte, wenn das so bleibt, dann sieht es aber mau für Italien aus.

Das erste Rosa am Straßenrand

Doch mit dem Übergang in die Toskana änderte sich das Bild schlagartig. Das Wetter wurde besser und jedes Dorf eiferte um den Platz rosa Dorf Nummer eins. Überall waren die Leute auf der Straße und man wartete gespannt auf die Helden. Die Jungs hatten wirklich eine echt harte erste Stunde.

Die acht Fahrer die an der Spitze rund 4 Minuten Vorsprung haben werden sagen: “Bringen wir das hinter uns.” Es sind Giulio Ciccone (Trek-Segafredo) William Clarke ,François Bidard (AG2R), Marco Frapporti (Androni-Sidermec), Mirco Maestri (Bardiani-CSF), Lukasz Owsian (CCC), Sean Bennett (Education First) und Damiano Cima (Vini Fantini), die sich da durch den Regen quälen. Weiter oben ist auch noch Nebel hinzugekommen. Noch sind 154 km zu fahren. Insgesamt hat die Etappe  von Bologna nach Fucecchio 205 km. Es gibt 2 Bergwertungen am Ende. Aber die Hügel sind nicht so großartig. Wenn die Sprinter mitkommen wird es auf der Zielgeraden in Fucecchio einen Massensprint geben.

Mittlerweile sind auch in der Emilia  zahlreich Leute am Straßenrand zu sehen. Alle haben einen Regen aufgespannt. Die Straßen in der Emilia sind in einem miserablen Zustand. Das muss man echt sagen. Eine neue Asphaltdecke hätte nicht geschadet. Ehrlich. Die hat man dann in der Toskana aufgelegt. Die Abfahrt vom Apennin hinunter nach Prato ist butterzart. 140 km vor dem Ende wird die Straße auch allmählich trockener. 10 km später sind wir im sonnigen Süden.

Langsam machen sich die Jungens frisch. In der Spitzengruppe und auch im Feld hat man noch die Ärmlinge an. Das wird sich ändern. 17 Grad sollten doch ausreichen. Die Streckenführung  in Prato ist eine wenig winklig.  Ein gelbes Motorrad mit einen eine rote Flagge schwenkenden Beifahrer führt die Jungs durch das Gewirr der Straßen. Noch sind über 100 km zu fahren und der Vorsprung der Ausreißer fällt unter die Dreiminutenmarke. Im Feld kümmer sich Bora hansgrohe und Jumbo Visma um die Nachführarbeit. Ob die wirklich für Ackermann ackern? Aber auch UAE scheint ein Interesse zu haben.

Die letzten beiden Hügel sind nicht ohne. Der erste hat einen Anstieg von 400 Höhenmetern und rund 7 Prozent. Der zweite Hügel ist flacher, aber aber länger. Er kommt direkt hinter dem ersten.  Wenn die Sprinter bis dahin nicht abgehängt sind, dann geht es nur bei einem kleinen Buckel 11 km vor dem Ziel. Das dürfte wegen der flachen Reststrecke dann aussichtslos sein.

Marco Fraporti von Androni gewinnt den ersten Zwischensprint des Giro. Aufgrund der Gegebenheiten ist es wie ein Bergsprint. Um den zweiten Zwischensprint streiten sich Damiano Cima von Nippo Vini Fantini und Mirko Maestri von Bardiani. Cima gewinnt.

Direkt dahinter kommt der Anstieg auf den Mont Alban. Kat 3. Es beginnt wieder zu regnen. Nur ein kleiner Schauer am Nachmittag. Draußen ist es aber trocken. Bin kurz mal aus der Turnhalle, die Pressesaal beinhaltet raus gegangen. Es ist wieder Kälter geworden und der Wind pfeift um die Häuserecken. Auf der Zielgeraden kommt von achtern.

Die Spitzegruppe zerfällt im Anstieg auf den Monte Albano. drei Fahrer setzen sich ab.  Owsian , Ciccone und Bidard lassen die Kollegen stehen. Jetzt geht es um das Bergtrikot. Guilio Ciccone kommt als erster an und wird das Blaue Trikot auch morgen weitertragen. Das Feld hat den Rückstand auf 1:44 verkürzt. Noch sind es 44 km . Eine gute Stunde. Zu den Dreien gesellt sich noch ein weiterer Fahrer. Doch der Berg hat keine Entscheidung gebracht. Das Feld nähert sich geschlossen und man hat nur noch 33 km zu fahren. Der nächste Berg ist mit 3 Prozent ein Rollerberg. Die 10 km Anstieg werden den Sprintern nichts tun. In der Ebene könnte man allerdings noch eine Windstaffel versuchen. 28 km vor dem Ziel sind zwei Fahrer von Movistar in einem Sturz verwickelt. Einer sitzt benommen mitten auf der und lässt die Begleitfahrzeuge an sich vorbeikurven.

Ciccone holt sich auch letzten Berg die meisten Punkte. Da es morgen keine Wertung gibt, kann er das Trikot auch übermorgen tragen.

 

Dann wurde es doch noch richtig interessant. Die Ausreißer wurden bis 7 km vor der Zielinie auf Abstand gehalten. Danach sah man die komplette Mannschaft von Bora hansgrohe arbeiten. Sogar vorbildlich mit einem Fahrer hinter Ackermann. Die ersten beiden Fahrers des Team machten richtig dicke Backen. Die anderen hielten sich lange zurück. Doch in der Schlussphase zeigten sich alle. Ich sagte schon zur Pressereferentin vom Team, ich erkenne sie an ihren Bora Rucksack, dass die anderen ihre Jungs ganz arbeiten lassen würden. Ich dachte, nach holen die die großen Jungs die Keule raus. Das taten Viviani, Gaviria und Ewan auch. Am auf den letzten Metern kam Pascal Ackermann dann mit einer Affengeschwindigkeit vorbeigeschossen und holte sich den Sieg.

Der und das ganze Team konnte gar nicht mehr aufhören zu Grinsen.

Ergebnis >>>>>

 

Jumbo Visma ist das stärkste Team.

 

 

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