Sa. Nov 16th, 2019

Giro D´Italia. Das Zeitfahren nach San Marino

7 min read

Diesmal habe ich mich schon früh aufgemacht. Die Nacht war kurz, den irgend jemand hatte eine Störung der Nachtruhe eingeplant.  Da haben wir kurz entschlossen verlegt. Ich muss mich wundern,  um wie viel Uhr die Helfer vom Giro schon auf der Straße sind. Sobald es hell wird fangen sie an zu werkeln und stellen die Gelände und Werbeplanen auf. Man denkt um die Zeit könnte man noch ungestört um die Welt reisen aber je näher man dem Ziel kommt um so schwieriger wird es. Die Strecke heute führt von Riccione nach San Marino. Riccione ist da wo der Flughafen von Rimini ist und San Marino ist da wo die vielen Andenkengeschäfte sind. Habe aber zunächst mal getankt. Immerhin 10 Cent billiger als Italien. Die Parfüms und Uhren werden auch billiger angeboten. Dazu gibt Geschäfte mit jeder Art von Waffen, Schwertern und Armbrüsten. Wenn sie mit dem Flugzeug abreisen wollen und nur Handgepäck haben, vergessen sie das mit den Langschwertern, sonst könnten sie lang einsitzen.

Von Riccione nach San Marino sind es 34,8 km. San Marino ist eine Republik und gehört nicht zu Italien und auch nicht zu EU. Wir sind also im Ausland, obwohl es keine Grenzkontrollen gibt um man mit Euro zahlt.Das Land soll die älteste bestehende Republik sein. Für mich ist es ein neues Land. Ich war hier noch nie.

Nach Eröffnung des Pressebüro kamen ein paar nette Menschen vorbei und verteilten Taschen mit einer Flasche des örtlichen Weines. Das ist mal die nette Art.

 

Also fahren sie hier hierhin, falls sie an der  Adria die Teutonen grillen. Die Geschäfte und Restaurant sind relativ günstig.  Ob sie bei den 10 Cent pro Liter beim Tanken was rausholen können wage ich zu bezweifeln. Die Tanken liegen nämlich oben auf dem Berg und der ist immerhin über 600 m hoch. Genug der Werbung für eine Flasche Wein.

Wenn die Jungs nach San Marino fahren müssen auch den Berg hoch. Die ersten Kilometer sind flach. Allerdings bin ich heute morgen den Kurs abgefahren und habe festgestellt, dass er im Ort Riccione ziemlich um die Ecken geht. Da kann man nicht einfach so durchrollen. Die Straße war zu dem nass. Dass kann sich aber noch ändern.

Wenn ich aber auf das Regenradar für heute nachmittag schaue, sieht es nicht gut aus. Auch die Fotografen im Pressesaal verteilen schon wasserdichte Hemdchen für die Kameras. Ich werde mich dann entscheiden müssen. Allerdings habe ich wohl keine Wahl. Ich muss mich an der Ziellinie blicken lassen und ein paar Fotos machen. Denn heute ist mein letzter Tag beim Giro. Ich habe keine Lust mehr und werde so langsam gen Norden ziehen.

Der schlimme Teil für die Jungs beginnt  ein Stück hinter der Landesgrenze. Ab km 22 geht es von einer kleinen Ausnahme nur  noch hoch. Wir reden von einem Start auf Meereshöhe und einem Ziel auf  648 m Höhe. Da werden sich die Jungs entscheiden müssen, zwischen aerodynamischen Zeitfahrrädern und normalen leichten Straßenrädern. Ich denke, dass die Tendenz eher zu den normalen Rädern geht.

Was heute auch überrascht hat, ist das Auftauchen der Camper. Es ist Wochenende und gestern habe ich mir ja verkniffen, die Strecke ab zufahren. Heute sehe ich sie zum ersten Mal während dieses Giro D`Italia. Überall stehen sie am Straßenrand richten ihre Antennen auf den Satelliten  und warten auf die Jungs. Sollte für einige jetzt erst der Giro anfangen? Da wo er für mich aufhört. Für mich die Mitte und er Süden von Italien interessant.  Die Poebene hätte mich auch noch gereizt, die Berge nicht so. Aber jetzt habe ich keinen Bock mehr. Die Camper kommen,  Zeit für den Tourmann zu gehen.

Das Zeitfahren beginnt pünktlich mit Nico Denz vom Team AG2R.

Er ist der letzte in der langen Liste der Fahrer und konnte bislang seine rote Laterne verteidigen. Ob das für ihn ein wünschenswertes Ziel ist? Der Tag wird nicht einfach werden. Vor dem Ruhetag können sich die Favoriten nicht verstecken. Sie werden kämpfen müssen um ihre Position nicht zu verlieren. Zwar Primoz Roglic als bester aus dieser Gruppe die Möglichkeit seine Konkurrenz zu kontrollieren. Aber vielleicht muss er härter waren, als er eigentlich jetzt schon will. Und eine Leader Position hieß für sein Team wieder die nächsten Tag sich abzuschleifen. Aber in genau diese Rolle werden die anderen starken Jungs ihn bringen wollen.

Bei der 22 km Marke, wo der Anstieg nach San Marino hoch beginnt hat Nico Denz 2:33 Rückstand auf den bislang Führenden. Das ist Scott Davies von Dimension Data und der gilt nicht gerade als Time Trial Koryphäe. Der kommt ja auch noch. So kann schon jetzt sagen, dass Nico Denz ernsthaft um die rote Laterne kämpft. Er erreicht das Ziel in 59:36 Minuten. Nur zur besseren Einschätzung. Der schlechteste Schnitt ist im Roadbook mit 39 km/h ausgegeben. Das sind ungefähr 53 Minuten. Die Zeit scheint aber etwas grob geschätzt zu sein. Auch Mark Renshaw erreicht nur 59:35. Dave Scott erreicht allerdings eine Zeit von 54:29. Wenn die stärksten kommen, wird sich das noch ändern.

Jasha Sütterlin vom Team Movistar belegt zwischenzeitlich den 3. Platz. Er hat eine Zeit von 55:52 Minuten . Oben im Ziel hat es angefangen zu regnen, unten geht es noch. Denz ist heute nicht der schlechteste Fahrer. Einige haben schon die Stunde übersprungen. Davis Scott liegt immer noch in Führung.

Dann setzt der Stundenweltrekordhalter Victor Campenaerts eine neue neue Bestzeit mit 52:03

Das Timelimit für dieses Zeitfahren beträgt für eine Bestzeit von 50 Minuten 15 Minuten. Das heißt man muss mindestens 1:05 Stunde fahren. Die meisten der ganz schnellen Jungs wie Campenaerts fahren ein normales Rennrad den Berg hoch. Der Sprinter Elia Viviani hat ein Zeitfahrrad gewählt.

Chad Haga vom Team Sunweb wird zwischenzeitlich  zweiter. Er fährt mit seinen Zeitfahrrad und hat eine Zeit von 53 Minuten und 6 Sekunden. Wenn die Jungs die Räder am Berg tauschen, geht natürlich wenig Zeit verloren. Pascal Ackermann erreicht das Ziel mit einer ähnlichen Zeit wie Nico Denz. Der lila gestylte Aerodynamische Helm macht richtig was her.

Dann muss ich doch mal, auf die Zielgerade. Es regnet, was schön und schlecht ist. Schön. weil ich da nun alleine stehe und schlecht weil ich richtig nass werde. Die Kamera ist in Plastik eingepackt. Der passiert nichts. Die Jungens allerdings haben zu leiden. Zwar sind es keine gefährlichen Bergabfahrten, aber der Regen geht natürlich auf die Zeit. Roglic hat getan was er wohl tun musste. Er hat Campenaerts in der Führung abgelöst. 10 Sekunden schneller war er. Trotz des Dauerregens. Vicenzo Nibali und die anderen Mitfavoriten haben weiter an Zeit verloren. Jetzt wird man sehen wie sich die aktuellen 10 Besten schlagen. Wenn Roglic Pech hat, darf sein Team wieder arbeiten. Valeri Conti beschließt den heutigen Reigen. Auch er hat es in San Marino richtig nass. Irgendwie regnen sich hier die Wolken an den 700 m hohen Bergen ab. Von seinen 5 minütigen Vorsprung hat Roglic bereits 2 Minuten eingebüßt.

Er kämpft aber um das Trikot, das Roglic sicher nicht haben will. Aber Roglic hat nicht die Maschie gewechselt.

Vielleicht macht das den Unterschied aus. Valeri Conti hat sich den Berg hochgekämpft und sein Rosa Trikot verteidigt. Damit ist alles nach Plan gelaufen. Glück für Roglic das von den zehn kleinen Negerlein einer übrig geblieben ist. Jumbo Visma braucht keine Arbeit in der Ebene des Po`s leisten, also der Poebene. Die Etappen sind eh flach und da haben die Sprinter wieder eigene Interessen. Pascal Ackermann hat sich heute geschont und wird  nach dem Ruhetag noch einmal aufs Ganze gehen. Nico Denz hat seine Rote Laterne erfolgreich verteidigen können.

Ergebnis >>>>>

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