Do. Dez 12th, 2019

Die schmutzige Seite des Radsports

4 min read

Jetzt könnte man denken. ich würde mich an dieser Stelle großartig über Doping im Radsport auslassen. Das ist natürlich gewollt, aber nicht beabsichtigt. Auch dieses Thema wird gestreift, aber nur am  Rande.

 

Schaut man sich die Profi Szene im Radsport an und vergleicht man sie der Fußball Szene, so sind die sportlichen Zusammenhänge in etwa dieselben. Es gewinnt immer das Team. Ein Sieg ohne das Team ist in  der Regel nicht möglich. In der Fußball Bundesliga gibt es eine Tabelle. Die ist nach Mannschaften geordnet und Sieger oder am Ende Deutscher Meister ist nicht derjenige, der die meisten Tore geschossen hat, sondern die Mannschaft mit den meisten Punkten. Das ist bei fast allen Mannschaftssportarten so.

Radsport ist auch eine Mannschaftssportart. Es gibt in der Regel sieben bis acht Fahrer, die unterschiedlichsten Funktionen haben. Die einen müssen die Getränke von hinten holen, die anderen das Peloton zusammen zusammenhalten oder die Ausreißer einholen. Natürlich ist der Leadout  für den Topsprinter auch eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu den anderen Mannschaftssportarten steht aber am Ende nicht das Team, sondern der Hero im Vordergrund. Der Junge, der als erstes über die Ziellinie rattert. Schon der Zweite darf sich mit einem warmen Händedruck zufrieden geben, nachdem er in sein Lenkrad gebissen hat. Die Teamkollegen, im dahinter einrollenden Feld, dürfen noch mal die eine oder andere Hand gegen den Himmel strecken. Das war es auch schon. Hinter dem Sieger kommen nur noch die Verlierer.

 
 
 

Jetzt gibt es natürlich die Mannschaften die in den großen Rundfahrten den Sieger stellen. Das funktioniert nur, wenn ein Team drei Wochen lang, sich einer Idee unterordnet. Ihren besten Ausdauerfahrer nach vorne zu bringen. Dafür dürfen sie dann z. B. auf dem Champs-Elysees Arm in Arm ins Ziel einfahren. Am Ende steht dann wieder einer alleine auf dem Podest des Sonnensscheins und sahnt die dicke Knete ab.

Machen wir uns nichts vor, auch im Fußball gibt es die Großverdiener und die kleinen, die etwas weniger am großen Keks knabbern dürfen. Aber sie haben im Gegensatz zum Radsport alle zusammen den Pokal geholt.

Neben den großen World Tour Teams gibt es noch die kleinen Pro Continental und nur Continental Teams. Schaut man sich die Strukturen bei den Letzteren an, so wird es krass. Fahren für einen Appel und ein Ei ist die Regel.

Geregelt ist der Mindestlohn bei den World Tour Teams und den Pro Continental Teams.

 

Der Mindestlohn für einen Fahrer in der World Tour liegt bei 60000 Dollar. Daneben hat ein Team ja noch weitere Angestellte, für die es keine Regelung gibt.  Es gibt 18 Teams in der WT. Für die Teams fahren so an die 30 Fahrer. Natürlich gibt es Unterschiede im Gehalt. Ein Chris Froome verdient wesentlich mehr als einer seiner Helfer. Die Veranstalter von Radrennen müssen auch an die Rennteams zahlen. So bekommt ein World Tour Team pro Renntag 8500 Euro. Pro Continental Teams bekommen nur 3500 Euro pro Renntag. Auch bei Ihnen gilt noch ein Mindestlohn. Der liegt ungefähr bei 50000 Dollar.

 

Neben den 18 World Tour Teams gibt es 37 Pro Continental Teams. Dazu sind noch 220 Continental Teams gelistet. Diese verteilen sich über alle Kontinente.  Hier gibt es keinerlei Regelungen. Die Fahrer arbeiten teilweise ohne Lohn und bekommen unter Umständen die Fahrtkosten und die Räder gestellt. Es gibt natürlich auch Teams wo es besser geregelt ist. Es gibt Teams, die haben, wie das Team Wiggins, ein Budget von 1 Million Euro. Viele australische Teams kommen mit 100000 bis 500000 Euro aus. Das ist sehr wenig und wenn wir von den Entwicklungskontinenten im Radsport reden, dann reden wir von sehr sehr wenig Geld.

Auch bei den Pro Continental Teams ist die Spanne beim Budget sehr hoch. Man rechnet mit einer Verzehnfachung zwischen dem kleinsten und dem finanziell kräftigsten Team.

Auch im Profi Radsport der Frauen herrschen solche desolaten Zustände. Hier ist UCI aber gerade dabei neue Strukturen zu schaffen.

Wenn man sich dieser Tatsachen bewusst ist, wird einen die Renngestaltung vieler Veranstaltungen klar. Die kleinen Teams müssen sich aufgrund der Konkurrenzsituation zeigen. Dabei werden viele Fahrer in sinnlosen Aktionen verheizt. Sie dürfen zum einen die Vorauswerbekolonne spielen. Die große Rundfahrten haben für diese Situation auch die Position des kämpferischten  Fahrers geschaffen. Klar ist, dass das meist nicht der Entwicklung des Fahrers zugute kommt, sondern dem Sponsor und vielleicht auch dem Team, das dann beim nächsten Mal wieder eine Wildcard bekommt. 

 

Außerdem bewirkt das System, dass die Fahrer möglichst oft im Einsatz sind. Denn ein Teil des Budget`s wird ja durch die Einnahmen bei der Teilnahme für Rennen finanziert. Je kleiner ein Team, um so wichtiger ist das. So kann es vorkommen, dass ein junger Fahrer schon Ende März über 3000 Rennkilometer hat. Wenn er dann verbrannt ist, kommt ein kurzes Bedauern. Das nächste Opfer steht schon vor Tür.





Please follow and like us:
error

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

RSS
Follow by Email
Facebook
Twitter
YouTube
Instagram