Do. Dez 12th, 2019

Wie die Schneekönige

2 min read

Man könnte meinen, es wäre Weihnachten. Strahlend geben die Radsportler über Twitter, facebook oder Instagram bekannt, dass sie zu den Auserwählten gehören. Man darf an der Tour de France teilnehmen. Vermutlich empfinden die Teilnehmer der Tour Transalp, nachdem sie ihre 1000 Euro gelatzt haben ähnlich oder die auserwählten Teilnehmer des New York Marathon. 100000 wollten und ich bin einer der 30000 Auserwählten.  Gut, dass man bei  einem Reisesportveranstalter gebucht hatte.

Als ich dieses Jahr  den Giro D’Ìtalia begleitet habe, hab ich dieses Strahlen in den Augen der Profis  nicht gesehen. Wir müssen den Giro fahren und dürfen die Tour nicht. Punkt.

Der kleine Unterschied ist die Aufmerksamkeit der öffentlich Medien. Obwohl das ja in Deutschland bei der Boulevardpresse ein wenig nachgelassen hat.

Vorbei sind die Zeiten, wo man einen Etappensieger gefragt hatte, ob Jan Ullrich auch heute nach dem Essen gut gefurzt hatte.

Wenn der Betroffene dann antwortete: ” Nee, weiß ich nicht. Aber ich habe mir heute 10 Ampullen Epo reingezogen und unterwegs zwei Blutwäschen gemacht, um zu gewinnen. ” Bekam er höchsten zur Antwort: “Schön, schön, dass Sie sich so anstrengen. Aber hat Jan Ullrich auch wirklich gestern einen guten Stuhlgang gehabt?”

Vorbei sind aber auch die Zeiten, wo ein Greipel oder Kittel einen Sprint nach dem anderen gewannen, vermutlich ohne unerlaubte Hilfsmittel, und kein Schwein krähte in Deutschland danach.

Wie gesagt, die Tour de France, das ist Weihnachten, Ostern und Geburtstag an einem Tag. Nicht nur für die Spitzenkräfte. Auch die kleinen Würmer, nach denen sich sonst nicht mal der frühe Vogel bückt, sind nun die Stars- Die Teilnahme zählt und nachher ist es egal, ob man als 93. oder 154. den Champs Elysees in Paris sieht.

Viele Fahrer haben die Teams gewechselt, aus Zorn von der Mannschaftsleitung im letzten Jahr nicht berücksichtigt worden zu sein. Andere fürchteten, dass sie aufgrund ihrer schwachen Leistungen im letzten Jahr dieses Jahr nicht berücksichtigt werden und haben deshalb schnell die Mannschaft gewechselt. Gegen die Garantie der Teilnahme.

Die Tour zählt und sonst gar nichts. Es gibt sich über 1000 Rennen im Jahr für die Profis, aber es gibt nur eines, wo alle dabei sein wollen. Es ist noch nicht mal das vom Streckenprofil schwierigste Rennen der Welt. Es aber das schwierigste Rennen der Welt, weil jeder Sieg so prestigeträchtig und deshalb so hart umkämpft, wie bei keinem anderen Rennen, ist.

Deshalb hallen nun die Schreie des Entzückens durch das Internet. Ich bin es. Ich bin der Auserwählte. Folgt dem Schuh!!!!

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