Mo. Aug 19th, 2019

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Tour de Pologne 6. Etappe

4 min read

Es gibt ungewöhnliche Orte , von wo aus man seine Berichte schreiben muss. Wenn der Veranstalter nicht für ordentliche Schreibplätze sorgen kann, heißt es Selbstversorgung. In diesem Fall unter dem Vordach einer schönen Holzkirche in Zakopane. Ein quadratischer Mülleimer dient als Tisch und eine Bank als Stuhl. Geht doch. Das Internet des Veranstalters ist eh mau, also dient hier das Handy als Hotspot. Sie wollen Berichte vom Radsport? Bekommen sie, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Zakopane ist nun nicht gerade der ärmste Ort. Zehntausende Touristen strömen jeden Tag durch den Ort. Da könnte man schon mal einen Presseraum zu Verfügung stellen. Aber irgendwie haben Journalisten in Polen den gleichen Rang wie Straßenkötern. 

Auf dem Weg nach Zakopane herrschte auch Donnerstags Vormittags ein echt starker Verkehr. Richtung Krakau war es noch schlimmer. Mir graut es da echt vor der Heimfahrt. 60 km Stau. Der Alptraum.

Vor Zakopane sind wir dann abgebogen. Und kamen auf die Strecke. Der erste Anstieg des Tages ist auch der letzte Abstieg. Und der ist grauenvoll. Nicht allein, weil er so steil ist, sondern weil die Straße im Prinzip eine einzige Abfolge von Schlaglöchern ist. Im Aufstieg geht das noch. Aber für eine Schlussabfahrt ist das eigentlich nicht zumutbar. Zum Glück sehen die Jungs das schon vorher. Außerdem passieren die meisten Unfälle auf großen breiten Straßen. Da ist man nicht so konzentriert.

Die Etappe heute ist 160 km. Es gibt eine Zufahrt und eine Abfahrt zu und von einer Runde, der 5 mal gefahren wird. Der Kreis ist 28,9 km lang. Es gibt zahlreiche Berge und 6 Bergwertungen der 1. Kategorie. Die Berge haben im Schnitt eine Höhe von 1100 m.

Schon der erste Anstieg des Tages wird hektisch gefahren. Viele Fahrer nutzen die chaotische Straße für einen Ausreißversuch. Es gelingt aber nicht. Immer wieder werden sie zurückgeholt. Nach der Bergwertung sucht eine Gruppe unter Führung von Matej Mohoric von Bahrain Merida sich abzusetzen. Schließlich ist die Gruppe 26 Mann stark und für einige definitiv zu groß. Petr Vakoc von Deceuninck Quickstep hat anscheinend heute einen großen Plan. Mit ihm reist auch Simon Geschke von CCC. Doch der muss wegen eines Defektes zunächst aufstecken, findet aber wieder Anschluss.

51 km vor dem Ende haben die vier Ausreißer einen Vorsprung von 115 Minuten. Mit dabei ist immer noch Simon Geschke vom Team CCC.
Das Peloton ist aufgeteilt. Die Sprinter sind längst abgehängt. In der ersten Gruppe macht Jumbo Jumbo Visma das Tempo. Guck dir an, wie die Straße zerstört ist. An der Bergwertung ist einiges los. Man sieht sogar die ersten Wohnmobile. Das hätte ich ihr nicht gedacht. So was haben wir noch nicht gesehen in Polen. Tomasz Marcynski von Lotto Soudal holt sich wieder die 10 Berg Punkte. Er hat jetzt insgesamt 30 Punkte auf der Runde zusammen und ist der Führende in der Bergwertung

44 km vor dem Ende hatte die Gruppe nur noch 12 Sekunden Vorsprung Simon Geschke versucht es an zweiter Stelle allein, aber auch er wird bald eingeholt werden von den Verfolgern.
Tomasz Marcynski wehrt sich verzweifelt und hält den Abstand auf 15 Sekunden. Doch auch er wird eingeholt. Dann kommt die Stunde von Ben Swift vom Team Ineos. Er hängt Grmay am vorletzten Berg ab und sieht auch am letzten stark aus. Doch dann kommen die Verfolger von hinten auf.

Auf den letzten Meter zum Ziel hoch gibt es einen Kampf zwischen Vinegaard, Sivakof und Hindlay. Der Däne Vinegaard vom Team Jumbo Visma gewinnt das Duell. Sivakov von Ineos wird Zweiter. Und Pascal Ackermann vom Team Bora hansgrohe wird sein gelbes Trikot endgültig los. Dafür wird nun Rafal Mjka aus seinem Team von den Landsleuten heftigs umjubelt. Er kommt als Fünfter ins Ziel und hat gute Aussichten für heute auf das Podest. Die Gesamtwertung führt einstweilen aber Jonas Vinegaard an.

Ergebnis >>>>

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