Mi. Nov 20th, 2019

Tour de France. Das Team Zeitfahren

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War eine Menge los  heut in Brüssel. Hatte mich schon früh in die Hauptstadt Europas aufgemacht. Leider hat mir keiner einen Job angeboten. Ob das an meinen Gesicht liegt? Nur ein paar Polizisten hatten an einer Straßensperre dumme Fragen gestellt. Wohin fährt man wohl an einem Sonntagmorgen in Brüssel. Zur Tour de France natürliiich.

Dank Presseausweis kommt man auch weiter. Ich bin nämlich im Moment ein echter Feind langer Fußwege. Aus den 200 Metern bis zur Strecke wurden dann ein paar mehr. Auch ansonsten kam ich auf den Geschmack der Fitness. Müssen wohl die beiden Noirs gewesen sein, die mir morgen wieder ein nettes Sodbrennen bescheren werden. Jedenfalls entschloss ich mal in der City nachzusehen was sich dort  tat. Brüssel hatte die Verkehrsmittel freigegeben. Man setzte sich in einen Bus und ab ging die Reise ins Centrum der Macht. Natürlich über den Umweg einer Metro. So erfuhr ich dann gleich mal, dass Eddy Merckx eine eigene Metro Station hat. In Brüssel. Wer doch mal eine Frage für Günter Jauch. Nicht, warum soll ich für ihre Rotwein Plörre bei Aldi 6 Euro bezahlen, sondern  hat Eddy Merckx eigene Metro Station oder eine eigene Kurve in Alp D`Huez. Also das mit der Kurve weiß ich nicht. Ich bin ehrlicherweise auch nicht mit dem Fahrrad da hochgefahren. Wer will schon so viel Schweiß vergießen. Für nichts.

In Brüssel`s City war dagegen der Bär los. Aber so was von. Zunächst  war es ja noch gemächlich. Dann stauten sich die Massen aber in de kleinen Zufahrtswegen, das ich ein wenig Platzangst bekam. Schnell die Fotos geschossen, die man sonst auch vor einer x beliebigen Etappe schießt und nichts wie weg. Leider ist das so, als ob man mit einem Segelboot gegen eine starke Flutströmung anfährt. Und an manchen Stellen geht es gar nicht weiter, weil alle ja unbedingt mitten in der schmalen Gasse  halt machen.  Zuvor hatte ich an einer unbenutzten Stelle ein Plätzchen zum fotografieren gefunden. Da hält doch ein Wagen von Katusha Alpecin direkt vor mir am Geländer und drinnen sitzt Herr Zabel Senior. Hab ihn aber nicht durch die Scheibe angesprochen, geschweige mit seiner Aroganz, heißt das nicht Eminenz, gesprochen. Hätte sich auch nicht gelohnt, denn als mal zufällig auf meinen Fotoapparat geschaut hatte, sah ich, dass da gar keine Karte drin war. Die ganze Arbeit für die Katz. Die Karte steckte natürlich im Computer und der steckte im Auto. Natürlich war es außer dem Handy die einzige Kamera, die ich mit hatte. Also wieder einen kleinen Fußmarsch zum Auto zurück.

Zuvor begegnete ich noch einer Familie in einem Metroschacht. Der schien ihnen auch zu gehören, denn die Familie; Mann, Frau, drei Kinder oder waren es vier hatten ein gemütliches Eckchen auf einer Luftmatratze. Trotz das ich daran vorbeigehen wollte, kann man alles Unrecht der ungeschehen machen, sagte ein Arsch in meinen Gehirn, das ich das nicht dürfe. Also umgedreht und dem Mann 10 Euro in die Hand gedrückt. Vielleicht hatte der ja ein gute Geschäftsidee, aber ich haben meine schlechtes Gewissen mal wieder ruhig gestellt. So einfach geht das.

Der große Meister sagte: Gut gemacht um mir dann noch zu stecken, dass ich den ganzen Tag keine Karte in der Kamera hatte. Ich sagte zu ihm, soll das etwa der Dank sein. Und er sagte, er hätte ja auch sein Maul halten können und dann wäre ich ohne Fotos nach Hause gegangen. Hat er auch wieder recht.

Die Karawane habe ich auf diese Weise verpasst. Aber ich hörte das Gebrüll der Leute am Straßenrand. Als ich wieder an der Strecke ankam, hatte jeder mindestens drei Kappen auf dem Kopf. So isses eben.

Dann kamen Jungens vorbei gerauscht. Man hört sie schon von weiten. Also nicht ihr Atmen und ihre Leidensschreie, sondern die Begeisterung der Massen. Das hilft. Man kann sich seelisch drauf einrichten, wann man die Aufnahmen versaut. Ich empfahl vorher einer Kollegin den Deckel vom Objektiv zu nehmen, dann würden die Bilder sicher schärfer. Mit der Schärfe hatte es sich nämlich ein wenig. Wenn die Automatik auf die Leute am Straßenrand einstellt, was sie meistens tut, dann sieht man ein paar unscharfe Gestalten im Vordergrund radfahren. Das kann man als künstlerische Gestaltung abtun. Meistens ist es aber einfach Mist. Die Jungs auf den Motos haben da einfacher. Die fahren die gleiche Geschwindigkeit wie die Jungs. Das dann wie ein Standbild. Schön scharf und brillant. Aber fragen sie mich mal , ob ich nicht drei Wochen auf einem Motorradrücksitz sitzen will um Radrennfahrer zu fotografieren. Ich hab doch keinen an der Klatsche. Glauben sie mir, ich bin völlig normal. Aber so was von.

Das erste Team welches vorbeikam, war Ineos. Das heißt , die waren in der Mannschaftswertung an letzter Stelle. Dahinter kam gleich Arkea Samsic mit André Greipel vorbeigezockelt. Ich hab noch gerufen: ” Hau rein, Andrè!” Aber viel geholfen hat es nicht. Denn Ineos behielt lange die Bestzeit für sich und Arkea kam mit 1:30 Rückstand ins Ziel und behielt lange die rote Lateng. Bis sich die Wanty Gobert Group erbarmte und noch 7 Sekunden langsamer fuhr. Katuscha Alepcin und der alte Zabel hatten dagegen den Bogen raus. Sie überholten, sinnbildlich, Ineos und setzten sich mit 2 Sekunden Vorsprung an die Spitze. Leider nur bei km 20, denn am Ende lagen sie abgeschlagen mit 26 Sekunden Rückstand auf Rang 5.

Als letztes Team fuhr allerdings Jumbo Visma schwer bejubelt durch die 27,6 km lange Arena. Sie hatten den Deckel zum Topf dabei, der hieß natürlich Tony Martin. Das Team heizte den anderen ordentlich ein und verbesserte die Zeit von Ineos noch mal um 20 Sekunden. Ein starkes Stück. Somit heißt der neue Spitzenreiter wie der alte, nämlich Mike Teunissen. Zweiter ist nun dessen Teamkollege Wout Van Aert. Dem traue ich das gelbe Trikot auch noch zu.

Ergebnis >>>>

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