Tour de France. Viviani gewinnt die 4. Etappe

Gestern Abend war in Epernay  und ich denke auch, in ganz Frankreich, der Bär los.Der Franzose Julian Alaphilippe hatte die Etappe gewonnen und auch das gelbe Trikot geholt. Heute war dafür einiges an der Strecke los. Die Menschen waren schon früh aufgebrochen, um sich einen guten Platz zu sichern. Nicht nur die vielen Wohnmobile bezeugen das, die sind eigentlich immer da, vielmehr saßen schon früh unzählige Familien in Sitzgruppen am Straßenrand. Auch in den Dörfern war einiges mehr los.

Ich hatte dagegen gestern einen einigermaßen schlechten Tag. Dabei fin es gut an. Ich bekam in Epernay auf den Presseparkplatz, für einen  nicht akkredierten Journalisten eine gute Tat. Doch war dieser Parkplatz 2 Km vom Ziel weg.  Dafür bin ich dann die ganze Champagner Avenue hochgelaufen und habe ordentlich Fotos gemacht. Von Moet et Chandon und Ruhe im Karton, wie ein reicher  Zecher bei uns im Stammlokal immer sagte, bevor er den wenigen Anwesenden eine Flasche spendierte. Genau sagte er immer Ruhe im Karton und dann eben nicht Charles Heidsieck sondern…..

Also ich finde Heidsieck ist besser. Aber ich habe auch meine eigene Geschichte dazu. Erzähle ich bestimmt mal. Als ich oben Ziel angekommen war, hatte ich die Erkenntnis, dass der Zieleinlauf nicht flach ist und, was weitaus schlimmer war, dass ich keine Karte in der Kamera hatte. Also alle Aufnahmen für die Katz waren. Das wurde dann prompt geändert. Die nächsten Aufnahmen klappten dann.  Danach kam die etwas gedrängte Siegerehrung. Wo ich in ein Cafe flüchtete und den Artikel zu Ende schrieb. Dann vergaß ich leider die Karte aus dem Computer zu nehmen. Und schoss auf dem Rückweg noch einmal alle Fotos für die Katz. Zusätzlich hatte ich nicht mit dem langen Weg gerechnet und keine Socken an den Füßen. Die aufgescheuerte Wunde an der Achillesferse bereitete dann auch keine Freude. So humpelte ich die 2 km zu Auto zurück.

Während der langen Törns durch Frankreich höre ich oft Hörbücher. Dieses Mal war wieder “Ich bin dann mal weg”. dran. Nicht das erste Mal. Wie sagt doch Harpe Kerkeling; “Mindestens einmal auf dem Weg muss jeder Weinen.” Diesmal war ich beinahe dran.

Da beruhigte auch nicht, dass ich Abends am Marnekanal noch einen Platz fand und endlich im nicht ganz sauberen, aber sehr warmen, Wasser baden konnte.

Abends im Auto liegend schmeckte das Bier nicht und eigentlich schmiedete ich schon Pläne nach Hause zu fahren. Von Toul aus sind es nur vier bis fünf Stunden. Warum sich noch 3 Tage weiterschleppen und immer die gleichen Fotos von vorbeirasenden Fahrern machen, von denen mehr als die Hälfte sowieso nichts wird.

Am Morgen sieht die Sache dann anders aus. Mal nüchtern aufgewacht ist vielleicht gar nicht so schlecht. Trotzdem freute ich mich als ich einen deutschen Wohnmobilisten am Straßenrand sah, hielt an und quatschte ein wenig. Ein paar Worte immer der Muttersprache waren irgendwie notwendig. Das Paar machte nur die erste Woche der Tour. Sie wollten bis Belfort und kamen wegen der Atmosphäre und nicht um nur die deutschen Fahrer zu unterstützen. Ich war auch der Meinung, das dieser Teil Frankreichs der ursprüngliche ist. Sie hatten auch gegen die Veröffentlichung ihres Fotos nichts einzuwenden. Danach ging es entspannt weiter.

In Pagne sur Meuse fand ich eine alte Brücke, wo ich fotografieren wollte. Und ein Cafe, wo ich Strom für den Computer fand, denn gestern im Cafe hatte ich den Lappes zwei Stunden an der Dose. Die Dose gab aber entgegen der Vorstellung des Besitzers des Cafe keinen Strom ab. War halt nicht mein Tag. Ist auch ein gutes Hörbuch.

Ich empfehle ihnen also dieses Cafe in Pagne sur Meuse. Halten sie mal an wenn sie einen guten Noir trinken wollen. ht

Kommen wir zur heutigen Etappe. Die Leute sind ganz aus dem Häuschen. Jeder Wagen mit irgendeinem Aufkleber wird bejubelt. Die mit den Wasserflaschen von Vittel besonders. Die verteilen ja auch Flaschen. Die Sponsoren des Bergtrikots haben besonders dicke Hosen. Es ist die Kette Leclerc, die verteilen in Massen ihre Tshirts und Kappen an die Bevölkerung. An der Strecke trägt sich fast die Hälfte der Leute eins. Gestern am Ziel fuhr einer mit einem Bollertwagen voll rum. Weit kam der nie. Hinter ihm schwebte eine Traube von Bienen, ne Menschen und rissen ihm die Dinger aus der Hand. Andere bedienten sich gleich direkt aus dem fahrenden Wagen. Ich sah dicke Negermamis mit ca. einem Kind und 20 Tshirts auf dem Arm. Das ist nicht gelogen. Auch ich habe zwei Shirts abbekommen. Obwohl ich um jeweils um eins in Kindergröße für meinen Enkel bat, waren sie beide in Größe L. Die dazugehörige Kappe habe ich allerdings aufgedrängt bekommen. Selbst einer der offiziellen Tshirt Verkäufer hat sich einen Packen gesichert. Als er seine Beute in seinen Wagen packen wollten und das wegen der Menge der Beute nicht ging, kamen noch einige Franzosen hinzu und erleichterten sein Leid ein wenig.

C`est la vie.

213 km sind es von Reims nach Nancy. Die Etappe wird als flach bezeichnet ist aber recht hügelig. Nichts was die Jungs heute aus Ruhe bringen wird. Es gibt nur zwei Bergwertungen der vierten Kategorie. Die erste habe ich mir selber angeschaut. Ein Hubser wie die anderen Hügel, dagegen waren die Stiege gestern schwere Brocken. Trotzdem stand zahlreich Volk am Wegesrand. Schon um halb neun. Der Tag beginnt hier erst um 13 Uhr. Wenn die Karawane vorbeikommt.

Es ist windig heute. Der Wind kommt von Nordosten und die Fahrer reisen nach Südosten. Da es wieder über die Äcker geht, sind Windstaffel heute ein Thema. Zumal es gegen Ende keine große Berge geben wird. Drei Ausreißer versuchen es. Sie haben ein Vorsprung von 3 Minuten. Bislang sind 70 km gefahren. Der Schnitt in der ersten Stunde lag bei 41,6 km/h. Die Ausreißer sind Backaert und Offredo von Wanty Groupe Gobert und Michael Schär vom Team CCC. Die eingeladenen Teams haben immer die Aufgabe, das Rennen ein wenig aufzulockern. CCC macht dagegen Werbung in eigener Sache. Das die Jungs durchkommen werden, glauben sie selber nicht. Man sieht zu, welchen Abstand das Feld zulässt und dann fährt man im gleichen Tempo wie das Peloton weiter. Nur keine unnützen Kräfte vergeuden.

Der Abstand des Feldes wird so wie besprochen bei 2 bis 3 Minuten gehalten. Für diese Arbeit ist auch heute wieder Tony Martin vom Team Jumbo Visma zuständig. Deceuninck Quickstep tut einstweilen wenig um das Leadertrikot zu verteidigen. Immerhin haben sie einen Mann nach vorne geschickt. Auch Lotto Soudal mischt ein bisschen mit. Die Leute von Bora hansgrohe halten sich noch bedeckt. So früh will keine im Wind arbeiten. Und Max Schachmann sah gestern im Ziel schon ziemlich angefriffen aus..

In Pagne sur Meuse ist der Bär los und die Karawane zieht Durst. Nach diesem Höhepunkt.

In Pagne sur Meuse kommen die Ausreißer noch geschlossen über die Brücke der Maas. Das Peloton ist aber nicht mehr weit entfernt. Als letzter Mann hält sich Michael Schär von CCC. Doch er schafft es auch nicht mehr auf die Coté de Maron. Das Feld geht geschlossen darüber. Zwei der Ausreißer mussten allerdings ihrem Tag Tribut zollen. Nichts steht mehr einem Sprint royal entgegen. Lilian Calmejan ist allerdings anderer Ansicht und setzt sich ab. Man lässt ihn die Sekunden und zeigt ihm dann was heute gebacken ist. Sprintertag.

Die Sprintermannschaften orientieren sich. Der rote Lappen kommt und man sieht keinen Favoriten. Sagan ist ziemlich eingebuttert. Auf der linken Seiten kämpft das Team Deceuninck Quickstep. Der einzige Fahrer, der einen korrekten Leadout erhält ist Viviani. Als er seine Rakete zündet ist er nicht mehr aufzuhalten. Nicht von Kristoff und nicht vom heranschie?enden Peter Sagan von Bora hansgrohe. Viviani gewinnt und braucht nicht zu weinen, wie auf der gleichen Etappe beim Giro in Orbetello. Der Sprint war jetzt einwandfrei. Und Viviani weint nicht gerne. Ein weiterer Sieg für Deceuninck Quickstep. Dazu Alaphilippe weiterhin im Gelben Trikot. Ein weiterer Sommertag für Frankreich und Belgien. Aber die Tage der Adler kommen noch. Das wollen wir nicht vergessen.

Sagan behält mit seinem vierten Platz das Grüne Trikot. Bester Deutscher ist diesmal Andrè Greipel von Arkea Samsic geworden. Als 12., Rick Zabel war noch ein paar Plätze hinter ihm. Ob ihn das tröstet. Glaube nicht. Auch der alte Zabel wird als Sprinttrainer bei Katusha Alpecin nicht begeistert über das Abschneiden seines Youngsters sein. Seinen Alten als Trainer? Mein Sohn würde sich angesichts dieser Aussicht bedanken und das Team wechseln. Sonst kommen wir aber gut aus.

Bei den Favoriten hat der Tag sicher nicht viel geändert. Der Wind hatte wohl mal eine zeitlang nachgelassen. Genau kann man das natürlich nicht beurteilen. Jedenfalls wurde eine Gelegenheit neue Akzente in der Gesamtwertung zu setzen nicht genutzt. Man verschiebt das wieder auf die Alpen. Steven Kruijswijk hatte ich ja nicht so stark eingeschätzt. Aber noch immer führt er die erweiterte Favoritenliste mit 20 Sekunden Vorsprung. Hat er wieder Mut gefasst? Emanuel Buchmann liegt schon 50 Sekunden hinter ihm. Naro Quintana noch ein paar mehr.

Sicherlich interessiert sie, was aus den Arbeitern des Tages geworden ist? Nun die drei Jungs kamen mit 8 Minuten Rückstand ins Ziel. Das war der Lohn für die harte Arbeit. Auf den letzten 15 km 8 Minuten verloren. Da klatscht dann keiner mehr. Auch Tony Martin war bei dieser Gruppe. Der hatte ja den ganzen Tag das Feld nachführen dürfen.

Ergebnis >>>>>>

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