Fr. Okt 18th, 2019

Paris Nizza. Von Vichy nach Pelussin.

4 min read

Die Suche nach dem Hotel war das Schwierigste, was wie wir während dieser Reise erlebt hatten. Im Hotel ließ die Wut auf die Stadt ein wenig nach. Es war gar nicht so schlecht. Der kleine Aufzug fasste zwei Personen, so eben, wenn man nicht viel Gepäck hatte. Er ratterte uns in den 4 Stock hoch. Besser als Laufen. Wir waren direkt an der Strecke untergebracht, auch der Start war nicht weit. Auch die kleineren Organisationschargen waren hier einquartiert. Auch die Leute von Mavic. Hätte ich nicht direkt im Januar gebucht, dann wäre das Hotel nur von der ASO bevölkert gewesen. Nachts kam ein Regensturm durch prasselte gegen die Fenster und setzte die Straße komplett unter Wasser. Morgen war nichts mehr zu sehen. Wir freuten uns schon erst lange nach dem Frühstück das Hotel zu verlassen. Ein zufälliger Blick auf die Straße von oben lehrte mich eines besseren.  Es parkten nur noch unser Tourmann Mobil und die Autos von Mavics vor dem Hotel. Ansonsten waren alle dem Befehl gefolgt dort, selbst auf den Parkstreifen nicht zu verweilen. Wir waren ja einigermaßen durch unsere Aufkleber geschützt. Aber irgendwann konnte ja auch mal ein Verantwortlicher die Nerven verlieren. Besonders wenn dort nur ein blauer Renault noch rumstand. In Paris hatten wir gesehen wie schnell man seinen Wagen von Autoabstellhof  wieder beschaffen kann.Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist P1230059.jpg.

Die nächste Seitenstraße war unser. Jetzt hatten wir auch freie Fahrt zum Ziel. Sie glauben ja nicht, wie schwer es ist, sich aus einem solchen Gewühl herauszuwühlen. Da ist Ordnung und Koordination gefragt. 

Zum Start war es nicht weit. Aber recht früh. Die beiden Moderatoren mühten sich durch ihr Programm. Es regnete ein wenig und 2 Stunden vor dem Start ließ sich kein Rennradler blicken. So wurde erst mal die gesamte Stadverwaltung interviewt. Anschließend die Hunde und Katzen, die nicht weglaufen sind. Wir nutzen die Zeit für eine weitereDieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist DSC_7243-1.jpg. Stadtbesichtigung. Diesmal zu Fuß. Schön zu sagen, dass man das auch gestern schon alles gesehen hatte. Mindestens drei vier Mal vom Auto aus.

 

Eine halbe Stunde vor dem Start erschienen die Helden der Landstraße. Es regnete und sonnente abwechselnd und so waren die Gesichter oft ein wenig verkniffen. Die meisten lassen sich gar nicht so gerne fotografieren, obwohl das ja ihren Bekanntheitsgrad steigert. Aber wenn sie keine Lust haben, dann gucken sie genau in dem Moment, wo geknipst wird, auf ihren Fahrradlenker. Man muss halt vorher abdrücken.

Der Tag sah auch echt beschissen aus. Über den Bergen hingen die Wolken. Der Wind wehte unangenehm und die Etappe heute war mit 212 km die längste der Rundfahrt. Im Prinzip ging es nur rauf und runter. Der höchste Berg hatte eine Höhe von über 800 Metern und die vielen anderen Anstiege waren auch nicht von schlechten Eltern. Dylan Groenewegen vom Team Junbo Visma konnte sich ausrechnen, dass er heute sicher sein Trikot verlieren würde. Auch die anderen Sprinter befanden sich Schlafmodus. Ihre guten Tage bei Paris Nizza waren vorbei. Sam Bennet und die restlichen Bora Hansgrohe zeigten deshalb mal wieder ihrer hässlichen arroganten “Ihr Kotzt mich alle an Visagen”. Doch die Jungs können auch freundlich sein. Solange eine Fernsehkamera läuft. Aber wehe,die Lampe geht aus.

Bis zur Hälfte des Rennens sah man zwei Gruppen. Die Ausreißer kamen zuerst. Es waren rund 13 Fahrer. Mit dabei waren Thomas DeGendt. Christoph Pfingsten und Damien Gaudin. Im Anstieg zum Col de Treves ging es dann zu Sache. Die Ausreißer hatten nur noch zwei Minuten Vorsprung. Gewonnen hatte da noch Gaudin. Doch auch die Sprinter im Peloton ließen die Flügel hängen. Es kamen noch zahlreich giften Anstiege und jetzt wurde auf Klassement gefahren. Die nächste Steigung ist die Cotè de Condrieu. Hier werden Gaudin und Pfingsten abgehängt. Christoph Phingsten vom Team Bora qüalt sich halbtot und abgehalftert die nächste Steigung noch hoch. Später kommt er mit über 18 Minuten Rückstand ins Ziel. Bei manchen Leuten kann man ruhig sagen Hochmut kommt vor den Fall. Oder wem es lieber ist , soweit die Füße tragen.

Wie mir ein Streckenposten sagte, standen wir in der Cote Chachal, oder so. Im Roadbook stand sie nicht. Dort, kurz bevor es in den Schlusskreis ging, kamen die Jungs äußert zerstreut vorbei. Die Ausreißer waren teilweise eingeholt worden und waren an die 40 km zu fahren.

Ganz am Ende kam Marcel Kittel noch vorbei. Ich musste zwischendurch ein paar jugendliche Mopedfahrer abhalten, dem Rennen entgegen zufahren. Die dachten, das Rennen wäre schon vorbei. Sie glaubten mir, dass da welche kommen würden und erst das Polizeiauto mit dem Schild Fin de Course das Ende signalisiert. Wir sahen den Besenwagen lange zu. Er schlich sich vom Tal hoch. Vor ihm strampelte ein einzelner Fahrer. Marcel Kittel. Mit einem irrsinnigen Rückstand und einem völlig versteiften Gesicht. Aufmunterung half hier nicht mehr, Allein gelassen mitten in der Pampa und noch vierzig Km bis zum Ziel. Das hält keiner aus.

So steht heute im Rennbericht hinter Marcel Kittel: DNF.

Reden wir noch kurz von den Siegern. Vom Tagessieger Magnus Cort Nielsen von Astana und Michael Kwiatkoswki von SKY. Der ist der neue Leader der Rundfahrt. 5 Sekunden vor Superman Sanchez von Astana.

Wird Paris Nizza trotz alledem wieder im Sekundentakt entschieden.

Ergebnis >>>>

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