So. Aug 18th, 2019

Radsport Journal Tourmann

Profi Radsport

Paris Nizza. Die erste Etappe wird verweht.

4 min read

Gestern hatten wir uns in Saint Germain en Laye kundig gemacht. Wir wollten den Start von Paris Nizza natürlich im Bild festhalten. Es war ein ruhiger sonniger Nachmittag. Heute morgen war es auch sonnig. Die Regenfront war in der Nacht durchgezogen und hatte ordentlich an den geschlossenen Jalousien unseres Hotelappartments gerüttelt. Der Wind war geblieben.

Im geschützten Windschatten des Chateaus von Saint Germain en Laye ließ es sich aushalten. Dahinter im Schlosspark war die Bühne für die Teampräsentation aufgestellt. Den Torbogen für den Start musste man sich allerdings verkneifen. Der Wind hätte den Riesenluftballon Richtung Holland geschickt. Bei der Startaufstellung sah man die gemischten Gefühle  in den Gesichtern der Jungs. Heute schon konnte man das Rennen verlieren.

Der Wind das teuflische Kind, konnte auf dem einer acht folgenden Kurs ordentlich Unheil anrichten. Windstaffeln von Beginn an waren vorprogrammiert. Und es würde den ganzen nicht aufhören zu wehen. Mit Böen um die 7 Windstärken und durchschnittlichen 5 im Normalfall. Die gute Nachricht. Kein Regen wie im letzten Jahr.

Direkt zu Beginn setzten sich drei Fahrer ab. Gaudin von Direct Energie, Moinard von Arkea Samsic und Combaud von Delko Marseille. Die beiden erstgenannten haben natürlich die Absicht ihr Team ein wenig glänzen zu lassen. Die Jungs von Vital Concept wurden auf der Bühne ein wenig hofiert. Vielleicht machen sie sich ja schon Hoffnungen. Arkea Samsic dagegen wurde durchgewinkt. Die Hoffnung bleibt bis zu letzt. Dafür gibt es heute Butter bei die Fische.

 

 

100 km vom dem Ende hat sich nichts Entscheidendes getan. Für Windstaffeln ist es anscheinend noch zu früh. Keiner will sich in die Karten blicken. Noch könnte ein Sprintfinale ja in Aussicht stehen. So haben die drei Ausreißer einen Vorsprung von 3:20 Minuten. Bei einem Wind aus Westen mit durchschnittlich 31 km/h ist das natürlich eine Schinderei.

10 km später ist es soweit. Es bilden sich Windstaffeln. Der Vorsprung der Ausreißer sinkt auf eine 1 Minuten und 20 Sekunden. Viel Lust werden die nicht mehr haben. In der ersten Stunden hat man auf flachen Terrain 34 Kilometer zurückgelegt. Das sagt alles.

Einige der Topleute hatte sich am Ende des Feldes aufgehalten. Das war ein Fehler. Als die Windstaffeln  loslegten wurden sie rasch abgehängt. Mittlerweile sind Calmeja, Terpstra, Meintjes und Henao wieder im Feld zurück. Das war aber nur ein Warnschuss. Das ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Nach der Hälfte der Strecke kommt eine Phase mit etwas Rückenwind. Der Vorsprung war vorher wieder auf 2 Minuten angewachsen. Anscheinend will man sich heute nicht aus der Ruhe bringen lassen. Paris Nizza wird im Sekundentakt entschieden. Weil alle Angst haben etwas zu verlieren. Die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter. Man fährt nun wieder schön windgeschützt durch die Wälder. Auf dem freien Flächen knallt der Seitenwind einzelne Fahrer in den Straßengraben. Ansonsten sieht man ein paar Jungs gelockert und in breiter Front  durch die Ile der France radeln.

André Greipel hält sich im Vorderfeld des Peloton auf. Meist sieht man ganz vorne. Dann hat es Rückenwind. Jetzt kommt die Phase, wo sich keiner erwischen lassen will. Wenn es Windstaffeln gibt will er nicht im Hintertreffen sein. Michael Mathews vom Team Sunweb, einer starken Sprinter soll schon aufgegeben haben. Marc Soler von Movistar, der Titelverteidiger, musste sein Fahrrad wechseln.  47 km vor dem Ende fährt das Peloton mit 60 Sachen durch die Gegend. Das wird kein Gegenwind sein.

10 km vor dem Ziel kommen die Jungs in Staffeln den letzten Berg runter geschossen. Die Abstände  der ersten drei sind aber nicht sonderlich groß, so dass es vor dem letzten Km zum Zusammenschluss kommt. Nicht gewesen außer Spesen. Nicht mit Gilbert Philippe. 2 Km vor dem Ende attackiert der Belgier vom Team Deceuninck um seinen Chef eine Freude zu machen. Doch das Verlangen der Sprinter ist zu groß. 

Zunächst sieht es so aus, als ob Jumbo Visma für Dylan Groenwegen einen schönen Sprintzug auf die Beine stellt 200 m vor dem Ende wird es aber gemischt. Groenwegen muss sich plözlich alleine durchkämpfen. Er steht im Wind und scheint chancenlos. Doch dann kämpft er sich zurück und gewinnt im Photofinish. Die Entscheidung fällt gegen Caleb Ewan von Lotto Soudal und Fabio Jakobsen von Deceuninck.

Bester Deutscher wird John Degenkolb auf Rang 5.

Wenn man den Tag bewerten möchte, dann darf man ruhig vom Tag der Angsthasen reden. Bei diesen Windverhältnissen wäre für einige Teams sicher mehr drin gewesen. Die Schachstrategen haben aber von Anfang an auf Unentschieden gespielt. Meiner Meinung, mal wieder ein verlorener Tag für den Radsport. Denn das kann es nun wirklich nicht sein.  Bei extremen Windbedingungen ein paar Jungs in die Luft zu hängen und dann am Ende ein wenig rum zu sprinten.

Ergebnis >>>>>

 

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