Mailand Sanremo. Alaphilippe gewinnt die Primavera.

Mailand Sanremo live Rai 2 italienisch

Man hat schon einen schlechteren Beginn bei dem Eintagesklassiker Mailand Sanremo gesehen. Fahrer, die dick vermummt sich zitternt bei ihren Mannschaftbussen unterstellten. Die stundenlang dem Regen trotzen mussten oder gar Rennen die wegen des Schnees in den Ligurischen Alpen unterbrochen wurden um dann am Meer fortgesetzt zu werden. Meistens schien dann zumindest in Sanremo die Sonne. Dafür ist das Rennen ja bekannt.

Heute aber gab es nichts von alledem, mit Ausnahme der Sonne. Die schien schon am Morgen in der Poebene und so waren alle Fahrer froh, dass sie mal ein Rennen italienischen Frühling fahren durften.

Der Weg von Mailand nach Sanremo ist lang. 291 Kilometer liegen jedes Frühjahr von den Fahrern. Kurz vor der Halbzeit erreicht man den 540 Meter hohen Turchino, dem höchsten Punkt der Strecke. Dann geht es eine zeitlang sehr steil zur Küste der italienischen Riviera runter. Die entscheidenden Erhebungen liegen allerdings erst kurz vor dem Ziel. Die 200 Höhenmeter bei der Cipressa und dann die 100 Höhenmeter am Pogggio. Am Poggio ist der letzten Zeit oft die Entscheidung über das Rennen gefallen.

70 Kilometer nach dem Start, wir immer noch durch die heute sonnige Poebene Richtung Süden sind 10 Fahrer an der Spitze. Die haben einen Vorsprung 8 Minuten herausgefahren. Das bedeutet aber gar nichts. Der Tag ist lang. Mailand Sanremo ist eines der längsten Eintages Rennen. Führer waren solche Distanzen völlig normal. Heute versucht man es wegen der Übertragungsrechten im Fernsehen mit wesentlich kürzeren Distanzen. So eine Profiradsportveranstaltung ist natürlich in erster Linie eine Dauerwerbesendung. Das Fernsehen überträgt in der Regel bis zu zwei Stunden am Ende der Veranstaltung. Was soll man da vorher ohne mediale Begleitung durch die Gegend fahren. Außer bei der Tour de France stehen eh kaum Zuschauer am Wegesrand. Das ist leider traurige Realität.

 

Die 10 Jungs an der Spitze rackern sich also für die Ehre ab. Und natürlich haben sie die Hoffnung zu Beginn der Fernsehübertragungszeit ein wenig im Bild zu sein.

Wir wollen die Herren auch ein wenig würdigen. Schließlich leisten sie ganze Arbeit. Während die Helden des Rennens sich noch im Peloton verstecken, sich mit 20 Prozent Leistung ( mehr ist es nicht) durch die Poebene kutschieren lassen, um dann am Ende voll auf zu drehen.

Hentala, Maestri, Masnada, Peron, Planet, Poli, Raggio, Sagiv, Schonberger, Tonelli. DHentala, Maestri, Masnada, Peron, Planet, Poli, Raggio, Sagiv, Schonberger, Tonelli. sind von den kleinen Teams wie Israel Cycling Academy, Bardiani, Novo Nordisk und Neri Sottoli.

Dann haben die 10 Jungs vorne meist nicht mehr die Kraft über den Poggio zu kommen und rollen auf der Küstenstraße ins Ziel. Auch das ist Mailand Sanremo.

 

Als die Ausreißer das Meer in Voltri erreichen ist ihr Vorsprung auf gut 5 Minuten geschrumpft. Ohnehin rechnet niemand mit ihrem vorzeitigen Erscheinen in Sanremo. Im Fernsehen reden sie von Nibali und Viviani. Natürlich. Es ist ja auch die Rai. Aber man auch gibt Caleb Ewan von Lotto Soudal gewisse Chancen. Aber kann es Greipel`s Nachfolger wirklich richten? Er sagt ja. Schon bei Paris Nizza hätte er eine gute Form gehabt. Zumindest eine bessere als Greipel. Der musste sich aber jeden Tag alleine durchschlagen. Ich glaube, er vermisst seinen Kumpel Sieberg sehr.

Peter Sagan wird natürlich hochgehalten. Und dann redet man mal wieder von Guiseppe Saronni. Der war damals, ich glaube 1983, als wir zum ersten mal eher rein zufällig auf der Via Roma in Sanremo standen, mit 44 Sekunden Vorsprung und völlig verdreckt Sieger des Rennens. Das waren noch Zeiten. So oder so. Heute rechnen wir wieder mit einem Massensprint. Aber wer weiß. Vielleicht macht Sagan ja mal den Saronni.

Was mich besonders freut ist, dass ich mir selber widersprechen muss, an einigen Stellen an der Riviera sind tatsächlich zahlreiche Fans zu sehen. Und die machen ordentlich Krach. Das ist auch schon mal von guten Wetter abhängig. Aber ist es doch gut.

Die Ausreißer sind jetzt im Fernsehen. Sie haben noch 100 km vor und das Peloton 5:30 Minuten hinter sich. Reichlich Werbezeit. Vor allem die vier Jungs von Novo Nordisk. Die sind alle Diabetiker und machen Werbung für einen Spitzensport trotz Erkrankung. Dahinter fährt dann die Gruppe der Asthmakranken. Aber das ist ein anderes Thema.

Man hat es eilig heute. Der Schnitt liegt bei 42 Km/h. Die kleinen Anstiege auf dem Weg werden zügig abgearbeitet. Das Feld fährt langgezogen. Vorne sind Leute von Bora, Deceuninck und Lotto Soudal zu sehen. Für wen fahren die wohl. Der Vorsprung der Ausreißer schmilzt wie das Eis in den Cafe`s am Straßenrand. Irgendwann wird den Jungs an der Spitze die Luft ausgehen und dann beginnt das Rennen. Irgendwo am Cabo Berta oder schon am Cabo Mele wird es um sie geschehen sein. So verlangen es die Umstände.

Greg Van Avermaet ist auch ein wenig mit geradelt. Die 175 Watt zeigen, dass da noch Potential ist und dass da ein paar arme Socken ordentlich für den Windschatten haben arbeiten müssen.

Das Feld rast jetzt an der Küste lang. 67 km vor dem Ende gibt es wieder eine Verpflegung. Die Jungs von Novo Nordics trinken Kola. Ihr Vorsprung liegt immer noch bei 3 Minuten. Wird das noch bis zu dem Capi halten. Die Moderatoren im Fernsehen bauen Spannung auf.

Auf Capo Mele Steht ein Leuchtturm. Direkt an der Straße. Es ist ein alter militärischer Beobachtungposten. Hier hat man schon früher die Bevölkerung vor den afrikanischen Piraten gewarnt, die wie überall an der Küste auf Raub aus waren. Frauenraub und wenn noch ein paar Goldstücke dazu kamen, war es auch nicht schlecht. Aber das ist ja nun lange her. Von Capa Mele sind es noch rund 50 km. Die harten Kilometer des Rennens beginnen. Die Ausreißer pfeifen aus dem letzten Loch, die Helfer müssen trotzdem

arbeiten um sie einzuholen und die Favoriten fragen sich langsam, ob ihre Beine die lange Anreise von Mailand her überstanden haben. Nur einer kann gewinnen, die anderen haben bekanntlich die Arschkarte.

10 km später am Cabo Berta zerfällt die Spitzengruppe. Noch sind es 40 km bis ins Ziel und Schonberger versucht es alleine. Sein Vorsprung beträgt anderthalb Minuten vor dem Peloton. Danach wird er von Masnada vom Team Androni Giacatolli überholt .

32 km vor dem Ziel haben die Ausreisser nur noch einen Vorsprung von einer Minute. Masnada führt

Fausto Masnada gibt das Letzte,aber die Rechnung wird wie immer nicht aufgehen, weil da schon zu viele Kräfte bei der Anreise verloren gingen. Sowohl im Feld als auch bei den Ausrreißern wird ohne Ende geknüppelt. Trotzdem werden die Ausreißer bald eingeholt werden und zwar noch vor der Cypressa. Nein, Fausto Masnada hatte im Anstieg noch 10 Sekunden. Wir lassen ihn den Berg hoch zappeln, denken sich die Favoriten.

Der Junge beißt sich den Berg hoch, aber es gibt keiner Erbarmen. 25 km vor dem Ende wird er eingeholt. Jetzt geht es von vorne los. An der Spitze des Feldes fährt das Team Astana. Peter Sagan hält sich noch zurück.

23 km vor dem Ziel ist eine letzte Verpflegungsstelle eingerichtet. Das Peloton ist noch geschlossen dabei. Die Entscheidung wird mal wieder am Poggio fallen.   Niccolo Bonifazio von Direct Energie versuchtes in der Abfahrt von der Cypressa ganz alleine, er klemmt sich hinter ein Motorrad und lässt sich runterfahren.

Das ist mutig und wahrscheinlich der Dank dafür, dass er an der Tour teilnehmen wird. Unten am Meer angekommen sind es noch 18 km. Für einen Sprinter nicht machbar. Trotzdem hat er mal 12 Sekunden Vorsprung rausgefahren und das wird noch mehr. Im Peloton beginnt man sich zu belauern. Dylan Groenewegen findet wieder Anschluss ans Peloton. Doch schon vor dem Poggio geht Bonifacio die Luft aus.

Der Poggio hat eine Steigung von 3 %. Man muss 138 Höhenmeter überwinden und sich dann in die Tiefe stürzen. Wenn man oben in die Ecke ist darf man nicht mehr zurück schauen. 7 Jungs schaffen es am Ende alleine um die 180 Grad Kurve in Poggio. Die Creme de la Creme.Sie stürzen sich in die Abfahrt. Doch sie schauen sich um. Unten können weitere Fahrer aufschließen. Mit dabei sind Wout Van Aert (Jumbo Visma), Kwiatkoswki, Sagan, Valeverde ( Moviestar), Nibali( Bahrain Merida) und noch ein paar andere. Matteo Trentin versucht es als erster. Beim roten Lappen ist wieder eingeholt. Man darf nicht zögern, sonst kommen zu viele nach, man darf aber auch nicht zu lange im Wind stehen. Matej Mohoric versucht es als erster. Julian Alaphilippe hängt sich in seinen Windschatten. Als er daraus hervorschießt, versuchen es alle. Doch sie kommen nicht mehr dem Franzosen vorbei.

Wenn sie mich persönlich fragen. Warum dieses Spektakel mit dem langen Anlauf? Also meine Antwort ist. Man könnte genauso gut in Arma di Taggia starten. Über Cypressa und Poggio radeln und das wärs dann. Das Ergebnis wäre vermutlich dasselbe. Aber wie klingt das in den Ohren? Arma di Taggia Sanremo. Wie eine kurze Busfahrt am lang.

Ergebnis >>>>

https://twitter.com/Milano_Sanremo/status/1109484456073666560

Photos >>>>http://www.steephill.tv/2019/milan-san-remo/photos/page-01/

Last Km of Milan-Sanremo 2019 (01:59 English, restricted to Europe) — eurosport
Last Km of Milan-Sanremo 2019 (01:10 English) — eurosport
Last Km of Milan-Sanremo 2019 (01:12 French) — léquipe
Résumé/Highlights from Milan-Sanremo 2019 (03:53 French) — rtbf
32 Big Photos from Milan-San Remo 2019 (more to come) — corvos/rcs
50 km to go: smoke bombs start fire at Capo Berta (00:26 Italian) — gazzetta
19 Big Photos from the riders sign-in and start of Milan-San Remo (more to come) — corvos/rcs

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