Giro D`Italia. Ackermann siegt im Regen Terracina

Ja hört das denn gar nicht auf? Heute morgen, auf dem Rocco di Papa, ging es noch. Wenig später hatte mich die Regenfront erreicht. Ich saß gerade im Mac von Latina als die Sauerei losging. Landregen von der feinsten Sorte. Das ist jetzt nicht das Italien meiner Träume. Als ich dann nach Terracina kam, dem heutigen Zielort, hörte es auf und was noch viel wichtiger ist, ich sah meinen ersten Zitronen im Garten stehen. Voller gelber Zitronen. Natürlich gibt es die auch weit nördlicher an der Blumenriviera, aber war mein erster dieses Mal , im Land wo die Zitronen blühen. Und seien wir ehrlich, an das erste Mal erinnern wir uns immer noch gerne zurück.

Ich möchte an dieser Stelle  noch einen Blick zurück auf gestern werfen. Da gab es ja dramatische Szenen am Ende der Etappe. Da ich zu dieser Zeit mich auf der Zielgeraden befand habe ich das nur aus der Ferme über die Großleinwand mitbekommen. Also gar nicht. 16 km vor dem Ende wird der erste Ausreißer, Davide Cima , eingeholt. Die anderen beiden, Maestri und Frapporti haben noch 1 Minute Vorsprung. Im Feld ist es ruhig. Die Jungs fahren in breiter Front  40 Sekunden hinter den beiden hinterher. 12 km vor dem Ende kommt es zum ersten Sturz. Cesare Benedetti ist betroffen und liegt auf der Straße. Auch ein Fahrer von Bora hansgrohe ist betroffen. Frapporti und Mastri radeln aus. Sie haben ihren Job gemacht, werden 10 km vor dem Ende eingeholt und verlieren noch über 5 Minuten auf den letzten Kilometern. Frapporti sogar über 10. Dann wird es hektisch.

 

Alle wollen nach vorne. Man sieht Mitchelton Scott mit Simon Yates. Dann drängen sich die Movistars und Katushas an die Spitze. 8 km vor dem Ende kommt es zum großen Crash 15 Fahrer liegen auf der Straße und im Grabem Mit dabei Tom Dumoulin. Bora hansgrohe nutzt die Gelegenheit zur Attacke. Auch Groupama FDJ tritt in die Pedalen. Noch sind vier km zu fahren und die Gruppe ist klein, höchstens 12 Fahrer. Aber Roglic ist dabei. Die lassen dann nicht mehr locker. Es geht um den Sieg. Conti ist mit UAE in der Überlegenheit. Er start den ersten Versuch und scheitert. Es werden immer weniger Fahrer die t´dem Tempo folgen können. Es geht bergauf. 500 m vor dem Ende greift Richard Carapaz vom Team Movistar an. Er reißt schnell eine Lücke von 20 Metern. Gegen Ende kommt Caleb Ewan noch einmal gefährlich nah heran, aber dann geht ihm die Strecke aus und Caparaz gewinnt überraschend. Tom Dumoulin von Sunweb bekommt 4 Minuten aufgebrummt.

Heute könnte es eine Massenankunft in Terracina geben. Die letzten Kilometer sind total flach. Überhaupt ist die Etappe eher abschüssig. Am Anfang sind zwei Berge zu über winden. Der Zweite, Rocca di Papa, ist sehr steil. Dann geht es aber nur bergrunter, obwohl es 50 km vor dem Ende noch einen Anstieg von 230 Höhenmetern gibt. Im Ziel sind wir dann auf 10 m. Die Etappe von Frascati nach Terracina ist nur 140 km. Die Straßen sind eher fürchterlich und werden durch den Regen nicht besser. Vielleicht wird es ja am Nachmittag besser. Was den Regen angeht.

Man sieht schon die Vorberichte im Fernsehen. Vor dem Start Frascati laufen die Leute mit Regenschirmen rum. Und wenn ich dem Regenradar für Süditalien glauben darf wird das auch heute Nachmittag nicht aufhören. Wer das schon. Schließlich fahren sie über den Rocca di Papa. Da sollte doch ein kleines Wunder drin sein.

Vor dem Start wurde Alessandro Petacchi kurz zu den Doping Vorwürfen befragt. Er ist ja nun auch als Journalist fürs Fernsehen Tätig. Er konnte sich im Gegensatz zu Danilo Hondo an nichts Schlechtes erinnern. Hätte auch nie Kontakt zu Mark S. gehabt. In Italien ist Doping eine Straftat. Das Gespräch war ihm sichtlich unangenehm.

Wenig später wurde das Rennen im Regen gestartet. Zunächst fuhren sie neutral durch Frascati. Sie waren mal wieder dicht vermummt. Manche werden sich gerne an das diesjährige Paris Nice erinnern. Da war es im Süden warm und sonnig. Und der französische Süden liegt gut 1000 km nördlicher als der italienische.

Direkt nach dem Start versuchen einige der Jungs auszureißen. Natürlich versuchen es die kleinen Teams sich hier zu zeigen. Diesmal ist Tom Dumoulin von Sunweb dabei. Das wird nicht gut gehen. Lieber hätten sie eine tote Katze in der Rückentasche. Doch dann schmeißt Tom Dumoulin das Handtuch und steigt aus dem Giro aus. War es Unlust angesichts des Rückstandes und ein körperlich Problem am Knie. Ist das jetzt die erwartet Spannung beim Giro? Fragen sie die Süddeutsche. Vielleicht machen andere Fahrer sich nun Hoffnungen. Rafal Majka von Bora hansgrohe zum Beispiel. Oder Simon Yates von Mitchelton Scott.

So lässt man die 6 Fahrer gewähren. Später werden die Sprinterteams das wieder richten. Aus den 6 werden 5. Die Straßen sind nass und nicht besser als am Morgen. Zwei Fahrer von Katusha Alpecin krümmen sich am Straßenrand.

24 km nach dem Start geht es nach Rocca di Papa hoch. Ein Wunder ist nicht geschehen. Es regnet. Die Aureißer haben ein Vorsprung von über zwei Minuten. Es macht sicher keine Spaß und die nachfolgende Abfahrt auf der schlechten Straße ist auch nicht ungefährlich. Good Luck Boys.

Es lückt aber nicht nicht. Wenig später liegt in der Abfahrt ein Fahrer von der Israel Cycling Academy im Graben. Dann knallt noch ein Motorrad mit einem Journalisten in die Leitplanken. Es wird nicht besser. 100 km vor dem Ziel ist man unten angekommen. Es regnet, aber es geht flach weiter.

Aus den 5 Ausreißern sind 4 geworden. Orsini von Bardiani ist nicht mehr dabei. Ich weiß aber nicht den Grund. 5 Kilometer später ist er wieder dabei. Heute halten die Bora`s das Tempo des Feldes hoch. Dahinter sieht man Jumbo Visma. Auch zwei Leute von Quickstep trotzen dem Wetter. Fragen sie nicht welche. Oder können Michelin Männchen von einander unterscheiden?

Die Straßen sind immer so unter Wasser wie am Morgen, wo ich da langgefahren war. Eher sind noch ein paar Seenplatten hinzu gekommen. Das sind jetzt die harten Tage. Eigentlich hatte man die mit belgischen Klassikern ablegen wollen. Sagen sie also nicht italienische Fahrer scheuen das Regenwetter. Im Winter ist es hier nicht besser. In der Gegend von Rom fällt doppelt so viel Regen wie in Bonn und das allein im Winter und im Frühjahr. Die Touristen erleben dann immer die drei trockenen Monate im Sommer. Hatte mal Freunde, die hatten sich zu Ostern ein Haus mitten in der Toskana gemietet,in den Bergen, ohne Heizung. Seitdem sind die Hollandfans.

80 km vor dem Ende wechseln die Jungs wie Primoz Roglic das Regentrikot. Nicht um nun ohne weiter zu fahren. Nein, man bekommt ein neues Trikot gereicht. Soviel zu teurer Funktionswäsche und Regen in Italien. Da haben sich einige Vollversager von Textilingenieuren teuer bezahlen lassen. Wer konnte auch rechnen, dass man mit Regenklamotten durch Regen fahren müsste.

Mittlerweile kommen einige Motorradfotografen in den Pressesaal. Die sollten eigentlich noch auf der Strecke befinden. Aber auch die sind klatschnass und haben absolut keine Lust mehr, sich die restlichen 80 km rein zu tun. Kann ich verstehen. Ich würde mich gar nicht erst auf so eine Kiste setzen. Scheiß einen auf das Adrenalin.

Hoffentlich muss ich nicht gleich im Regen raus. Vielleicht verzichte aber und schaue mir das Ganze hier im Trockenen an. Die Bilder gibt es dann aus dem Internet. Gemein nicht. Aber die Jungs drängeln sich meist so an Ziellinie um die Plätze, das mir eh keine Luft bleibt. Außerdem, dann danach die fünfte Siegerehrung mit Primoz Roglic im Maglia Rosa. Da kann ich auch die alten Bilder nehmen. Sie verzeihen einem Weicheier sicher diese Sache. Mit dem Alter wird mensch ja auch ein wenig weiser und leiser.

Noch sind 72 km zu fahren. Da kann viel geschehen. Die 5 Ausreißer haben jedenfalls einen Vorsprung von 1 Minute und 25 Sekunden. Das wird noch eine Weile so bleiben.

Draußen hört man die Karawane einfahren. Die hab ich heute auch mal verpasst. Diesmal gerne. Die 20 Geländewagen sind bestens für die Straßen hier ausgerüstet und machen einen Krach für 200.

Im Rennen tut sich nichts. Stöbere deshalb ein wenig in der Ergebnisliste. Nico Denz von Ag2R ist dort der letzte. Gibt es einen Preis für die rote Laterne. Muss mich mal erkundigen. Jedenfalls hat Nico Denz einen Rückstand von 5 Minuten auf den nächsten und 41 Minuten auf den ersten Fahrer. Das kann man auch verwalten. Der Sieger der Herzen. Bisher war der aber noch auf dem Podium. Ein Japaner hat es ja geschafft schon beim Prolog auszuscheiden, weil er das Zeitlimit verfehlt hat. Der richtig viel Applaus am Start bekommen und sich wohl ein wenig verausgabt. Da gilt dann wohl die alte Regel. Applaus. Ende. Aus. Jedenfalls streitet sich Denz jetzt mit einem anderen Japaner von Nippo Vini Fantini um diese Position und liegt mit rund 5 Minuten vorne.

Der Nachteil, dass die Motorradfotografen alle die Strecke verlassen, ist natürlich, dass es keine Bilder mehr über Twitter gibt. Da hätte ich von diesen eisenharten Burschen etwas mehr erwartet. Also in meiner Jugend…..

Was hatte unser Ausbilder nicht immer gesagt: Früher waren die Schiffe aus Holz und die Seeleute aus Eisen. Heute sind die Schiffe aus Eisen….. Aber müssen es immer gleich Leute aus Pappe sein?

Der Pressesaal in dem wir sitzen ist eine Turnhalle. An der Decke hängen Netze, die verhindern sollen, dass die Decke runter kommt. An einigen Stellen ist das schon geschehen. Auch Journalisten leben gefährlich. Besonders in Italien. Hoffentlich gibt es kein Erdbeben. Dann würde die Elite der italienischen Sportjournalisten erschlagen. Mich will ich davon mal ausnehmen. So oder so.

Im Anstieg zur Bergwertung des Tages setzt sich Louis Verwaeke von Sunweb ab. Erholt sich die Punkte, sieht dass er ein paar Sekunden Vorsprung hat und zieht durch. Bald trennen ihn 30 Sekunden von seinen ehemaligen Kumpels. 36 km vor dem Ende hat er Vorsprung von 1:20 auf das Feld. Es geht jetzt nur flach weiter. Bei den Fotografen im Pressesaal herrscht Aufbruchstimmung. Sieht so aus, als ob ich doch noch Fotos über Twitter vom Zieleinlauf bekomme.

Habe eben mal kurz nach draußen geschaut. Es regnet Cats and Dogs. Die Jungs mit den Kameras kleiden sich ein wie auf einer Berghütte der Wanderung in einem Sturm. Ich bleib wohl hier im Warmen sitzen. Das muss ich mir nicht antun.

Zur Situation im Rennen noch sind 25 km zu fahren. Es schüttet ohne Ende und Louis Verwaeke hat noch einen Vorsprung von 28 Sekunden. Ständig abnehmend. Die haben ihn bald. Ende einer beschissenen Dienstfahrt. Dafür gibt nicht mal einen Orden. 22 km vor dem Ende ist es vorbei und Verwaeke kann frohsein wenn er im Peloton Asyl findet. Jetzt noch 20 km alleine zu fahren, könnte einen das Rückgrat brechen. Noch fährt er am Ende des Feldes mit und unterhält sich mit einem Kollegen von Lotto Soudal.

12 km vor dem Ende formieren sich die Sprinterzüge. Natürlich will auch Jumbo Visma Primoz Roglic aus dem Gröbsten heraushalten. Der Bora hansgrohe Zug ist ganz links zu sehen. Gut 9 km vor dem Ende radeln die Jungs das erste mal über die Ziellininie. Die Glocke klingelt. Man hält sich noch zurück.

Das Sprintfinale wird zunächst gut organisiert durchgeführt. Auf den letzten Metern holt wird es jedoch wieder ein wenig drängelig. Ackermann wir ein wenig eingeklemmt. Als Gaviria startet, wird er von einem anderen Fahrer zunächst abgedrängt. Doch dann hängt er im Windschatten und kommt auf den letzten Metern vorbei. Der zweite bei disem Giro für Pascal Ackermann. Der Junge wird langsam ein ganz Großer. Er  verteidigt auf diese Weise natürlich sein Maglia Ciclamino. Und Gaviria wird wieder nicht besonders nett dreinschauen. Roglic bleibt in roasa 

Ergebnis  >>>>

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