Sa. Okt 19th, 2019

Giro D`Italia. Ohne Gaviria und Gavia.

6 min read

Immer höher, immer schneller, immer weiter. Der Phantasie der Sportdirektoren, Veranstalter und Sportler sind keine Grenzen gesetzt. Und wenn doch, dann versucht man sie zu umgehen. Eine Etappe in der Poebene ist langweilig, wurde von der Kommentatoren im Fernsehen übermittelt. Dagegen sind Etappen im Hochgebirge, wo die topgedopten Drohnen dann ihr Bestes geben können, das non plus ultra. Die so hochgelobten und mit Hochlandblut aufgewachsenen Kolumbianer vom Team Postobon Manzana mussten nun aufgeben. Ihre Lebenslüge ließ sich nicht mehr aufrecht  erhalten. Andere werden folgen. Ich frage mich immer,  warum machen die Jungs das. Früher und heute. Wegen der Knete, wegen des Ruhmes, wegen der vielen Schulterklopfer am Wegesrand? Ich weiß es nicht. Haben die noch Zeit, wenn der plötzliche Herztod vor der Tür steht, sich zu fragen, ob sich das alles gelohnt hat? Oder sagen die einfach nur :”Scheiße, Pech gehabt, das war es nun!”

Der Wettergott hat mal wieder ein Einsehen gehabt. Er hat sein Veto eingelegt für die niedrige Kreatur: “Stopp Mensch, treib es nicht so weit. Geh nach Hause!” Und das ist gut so und als Warnung an all die Spinner gerichtet, die mit ihren kleinen eigennützigen Sensatiönchen andere ins Unglück stürzen wollen.

 

Ach ja, Gaviria ist auch nicht mehr dabei. Ein Kolumbianer, der nicht ins Hochgebirge ziehen will. Das hört sich gut an. Auch andere Sprinter haben die Sache längst hingeschmissen. Ihre Interessen liegen eher in den Tälern und nicht in den Bergen, wo die frommen Hütten stehen.

Die heutige Etappe geht also auch ohne den Gaviria, äh Gavia. Man hat andere Berge ins Programm genommen. Dort wo es noch möglich ist. Viel leichter wird die Etappe nicht.

Schaut man sich das Profil an, sieht man, dass es auch ohne Gavia reichlich Arbeit gibt. Auch ist die Etappe nun wesentlich kürzer.

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Düstere Wolken schweben über dem Giro. Die beiden Helden, Roglic und Nibali, dürften in den nächsten Wochen noch einiges an Erklärungsbedarf haben. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Gewinner einer Rundfahrt aus der Ergebnisliste genommen werden.

Aber es regnet auch in den Niederungen und das heißt Schnee auf dem Gavia. Der wäre heute sowieso nicht gegangen.

Gegangen sind dafür 23 Fahrer. Nicht aus dem Rennen, vielmehr haben sie sich an die Spitze des Rennens gesetzt. Das nach 17 km. Da hatten sie schon einen Vorsprung von 40 Sekunden. 6 km später sind es gar 2 Minuten. Bester der Gruppe ist der Amerikaner Joe Dombrowski vom EF Education First. Der hat einen Rückstand von 14 Minuten auf den Führenden. Aber auch Gulio Ciccone vom Team Trek Segafredo ist wieder dabei. Der versucht natürlich Punkte für sein Blaues Bergtrikot zu sammeln. Ciccone dürfte natürlich dankbar für den vielen Schnee auf dem Gavia sein. Da hat er er sicher irgendwo eine Kerze gestiftet. Mit dabei ist auch der deutsche Fahrer Michael Schwarzmann vom Team Bora hansgrohe. Der hat in der Gesamtwertung oder den sonstigen Wertungen überhaupt nichts mehr zu kamellen. Vielleicht wird er sich als Relaisstation für Rafal Majka versuchen. Aber diese Strategie ist während dieses Giro noch in keinem Fall aufgegangen. Die Fahrer, die es versuchten, waren meist so fertig, als ihr Leader, der sich im Peloton ausruhen konnte , anrauschte, dass die Unterstützung selten lange vorhielt.

83 km vor dem Ende haben die 21 Ausreißer immer noch einen Vorsprung von über 5 Minuten. Ciccone hat sich die erste Bergwertung und damit 9 Punkte gesichert. Er führt nun mit 114 Punkten vor Richard Carapaz. Ciccone 180, Carapaz 66. Heute dürften da noch einige dazu kommen.

In den Mortirolo geht die 21 große Gruppe noch ziemlich geschlossen. Sie haben noch rund 38 km vor sich und einen Vorsprung von 6 Minuten. Die Straße ist zwar asphaltiert, aber eher winzig. Kategorie Wirtschaftsweg. 18 Prozent maximal soll die Steigung heben. Ciccone ist mit vorne dabei um das blaue Trikot abzusichern.

Um es kurz zu fassen. Es war nicht der Tag des Primoz Roglic. Vielleicht ist er durch die Dopinganschuldigungen ein wenig lustlos. Vielleicht geht ihm aber auch die Puste aus. Die Italiener wollen den Sieg von Nibali, egal wie.

Gestern machte Bauke Mollema dem italienischen Fernsehen schwere Vorwürfe. Die Motorradfahrer der RAI hätten den beiden führenden Windschutz gegeben. Aber die wehren sich gegen die Vorwürfe. Niemand hätte nichts getan. In Belgien ist die Situation oft ähnlich. Da werden die abgehängten Fahrer oft wieder in der Endphase von Motos ins Geschehen zurückgeführt.

Roglic konnte nach seiner Schwäche im Anstieg auf den Mortirolo mit keiner Schützenhilfe rechnen. Jedenfalls nicht auf italienische, denn Vincenzo Nibali hatte angegriffen und ihn stehengelassen. Am Ende der Etappe lag Nibali in der Gesamtwertung 22 Sekunden vor Roglic. Das langt noch nicht. Denn diese Zeit wird er im Zeitfahren am letzten Tag sicher wieder verlieren. Auch muss er noch den 1:47 Minuten vor ihm liegenden Richard Carapaz vom Team Movistar niederstrecken. Die werden sich nicht noch einmal auf eine Allianz mit Nibali einlassen.

Gewonnen hat die Etappe Gulio Ciccone vom Team Trek Segafredo. Den hatte am Anfang aber keiner auf der Rechnung gehabt. Nun könnte er die Bergwertung bei dieser Rundfahrt für sich entscheiden. Sein Vorsprung beträgt 163 Punkte auf den nächstfolgenden Fahrer, das ist Carapaz. Soweit ich das sehe, kann niemand mehr diese Punktzahl übertreffen.

Es stellt sich zum Schluss natürlich die Frage, was die deutschen Fahrer machen? Nun, haben vor zwei Tagen die deutschen Kommentatoren im Fernsehen noch bedauert, dass es bisher so langweilig in den Ebenen war, so müssen sie nun einsehen, dass aus deutscher Sicht es nun so richtig eintönig wird. Zwar mühte sich Michael Schwarzmann von Bora hansgrohe am Anfang in der Spitzengruppe mit ab. Am Ende kam er dann mit 17 Minuten Rückstand ins Ziel. Das ist jetzt nicht so besonders spannend. Auch das der letzte deutsche Fahrer im Gesamtklassement , Nico Denz vom Team Ag2R, sich so langsam von der roten Laterne entfremdet, kann nicht wirklich erfreuen. Immerhin liegt er schon 3 Stunden und 52 Minuten hinter dem Ersten. Das ist eine ganze Etappe. Der Nico Denz hat einen Tag mehr benötigt als die Spitzenfahrer. Der hat quasi 22 Renntage und die anderen Koryphäen wie Pascal Ackermann sind auf dem selben Level. Da danke ich doch herzlich für die sogenannten beschissenen langweiligen Etappen im Süden.

Ergebnis >>>>

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