Giro D`Italia. Die Reise. Teil 1

Natürlich könnte ich den Giro D`Italia einfach so als Sportereignis abhaken. Objektiv von den sportlichen Geschehnissen berichten und mich als Mensch und Reporter ganz außen vor lassen. Das werde ich aber nicht tun. Natürlich werde ich die sportliche Seite nicht außer acht lassen, aber meine eigene auch  nicht.

So eine Reise in die Welt ist immer eine Reise zu sich und für sich selbst. Das erleben auch die Sportler, die nach diesen drei Wochen ganz andere Menschen sein werden. Wenn sie Glück haben.

Warum fährt man los, wenn man das Ganze auch von zu Hause aus kommentieren könnte. Fernsehen und Internet setzen da keine Grenzen. Die meisten Journalisten sitzen eh im Presseraum und verfolgen die Veranstaltung über den Bildschirm. Da wäre es doch blöde nicht nur von diesen Geschehnissen zu berichten, sondern über jenes, was einem bewegt.

Was mich zu allererst bewegt, ist natürlich mein Auto. Der blaue Renault Kombi hat schon viele Rennen gesehen und auch schon einiges erlebt. Meine Freunde sagen, was willst du mit diesem Schrotthaufen, aber 300000 km Erfahrung lassen einen zusammenwachsen. Da ich ihn für diese Reise alleine nutze, ist er auch mein Hotel und meine Küche. Die Freiheit, irgendwo am Wegesrand parken zu können ist unbezahlbar.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze auf einer Alm im Tessin. Wenig unter mir ist ein Schießplatz der Armee und die Schützen ballern mit großkalibrigen Gewehren. Jede Sekunde ein lauter Knall, der von Bergwänden verstärkt wird. Man muss übrigens unter diesem Kugelhagel drunter wegfahren. Nebenher weiden Kühe , Ziegen und Schafe, die sich an diesen Krach wohl gewöhnt haben.

Wir kennen den Platz schon lange. Das heißt, seit über 40 Jahren, als wir noch mit unserem  VW Bulli umhertingelten. Es hat hat sich seitdem nichts verändert. Irgendwann wird der Krach wieder aufhören.

Vor Antritt einer Reise kommt die Trennung. Ich hatte mich auf die Reise gefreut, bis meine Ehefrau dann ihren Urlaub ablasen musste. Danach hatte ich eigentlich keine Lust mehr. Schließlich ist sie auch meine beste Fotografin und die meisten Bilder in diesem Journal stammen von ihr.

Da nutzt auch die ständige Werbung im Fernsehen nichts, wie toll doch der Giro sei und so. Eigentlich hatte ich keine Lust, das drei Wochen alleine auszutragen. Nun bin ich das erste Mal beim Giro akkreditiert, was nicht so einfach ist. Und weiß man, was im nächsten Jahr so kommt. Die ASO in Frankreich ist da genauso launisch.

Aber dann habe ich mich pö a pö losgerissen und schließlich auf den Weg gemacht. Ich wollte in der Schweiz nicht in den Wochenendstau am Gotthardt kommen, so bin ich halt schon am Donnerstag, also heute los. Zuhause schien noch die Sonne. doch ab dem Westerwald ging es wieder mit dem Regen los. Bonjour Tristesse. Ging ja schon gut los. Auf langen Autobahnstrecken lege ich immer eine Hörbuchkassette ein. Diesmal war es der zweite Teil vom Boot. Als ich durch den Gotthardtunnel fuhr waren die Jungs auch schon wieder in La Rochelle angelangt. Da waren wir vor Jahren auch schon mal, auf den Spuren Buchheims. Die U Boot Bunker sind dort nicht zu besichtigen. Im Gegensatz zu denen von St. Nazaire. Auch schlug mir eine besseres Schicksal, denn hinter dem Tunnel schien die Sonne und es war einigermaßen warm. Das soll bei Nordwind auch so sein. In Italien hat sich schon einiges getan. Einige Teams haben im Eataly Center, dem Hauptquartier des Giro, einem riesigen Konsumtempel schon ihre Pressekonferenzen abgehalten. Auf mich werden dort sicher verzichten können und ich auch auf deren Weisheiten vor dem Rennen. Sorry, vielleicht bin zu hart. Aber glauben sie, dass dort ein Team schon vor dem Renne seine Strategien preisgibt. Was es gibt, sind Häppchen für die Journalisten und Fotos, die sicher nicht gedruckt werden. Aber das Essen soll gut sein in Italien. Besser als bei der Tour. Lassen wir uns überraschen. Ich mache für sie den Asti Spumante- Champagner Test.

Am morgen bin früher aufgewacht als erwartet. Wahrscheinlich die Aufregung. Da ich eh nicht mehr einschlafen konnte, stand ich auf und machte mir ein kleines Frühstück. Obwohl ich wusste, dass ich nun zur Rushhour den Ring von Mailand erreichen würde, fuhr ich los. Hätte ja noch ein bisschen die Berge anstarren können. So kam es dann wie es kommen musste. Der Ring von Mailand erwies sich wie gewohnt träge, aber man kam mit einiger Verzögerung durch. Die Italiener bremsen sich Stoßstange an Stoßstange zu Tode. Irgendwann ist es dann vorbei. Die Poebene empfängt zum Dank mit dem gewohnten Dunst. Mal ist es mehr oder weniger diesig. Hängt von den Wolken ab. 200 Kilometer sind zu überstehen und kein Peppone zur Erheiterung in Sicht. Die Brücken über die Autobahn sind alle Übermannshoch mit Natodrahtrollen gesichert. Damit keiner springt. Scheint aber vorzukommen. Manchmal hängen Blumen an nicht so gut gesicherten Stellen. Wenn einem der Poebene Blues überkommt. Hinter dem Po wird es sonniger.

Die Verkehrssituation in Bologna ist schwierig. Ich muss irgendwie die richtige Ausfahrt finden.  Habe  alles bei google Streetview angeschaut. Am Anfahrt klappt es. Ich finde prompt die Ausfahrt für die Tangentiale. Die geht dann parallel zur Autobahn, durch ein Geländer getrennt. Dann versaue ich es doch. Ich fahre eine Abfahrt zu früh raus und lande in der Pampa. Da hilft nur fahren nach Sonnenstand und irgendwann tauchen auch die Schilder des Eataly World Center wieder auf. Da ist das Headquarter des Giro untergebracht.

Die Akkreditierung verläuft anspruchslos. Ich muss nur einen neuen Ausweis als Photograph bestellen. Dann gehe ich auf Pressekonferenz für die Teamjournalisten. Das ist interessant, denn da wird schön englisch gesprochen. Da verstehe ich ja einigermaßen.  Irgendwann erscheinen auch die Presseleute von Bora hansgrohe. Ich kenne sie noch von der Deutschland Tour.

Da mussten sie ihre Schützlinge vor den gemeinen deutschen Journalisten knapp halten. Irgendwelche Anschlüsse für Strom und Lapstops sind im Eataly World Center nicht zu sehen. Aber ich bin ja bei einem Mäckes vorbeigefahren. Vorher bringe noch die Klebefolien des Giro am Wagen an. Der Giro kann kann kommen. Der Parkplatz ist voll mit Girodisten. Die haben einen ganz schönen Tross. Bin mal gespannt, ob das so perfekt wie bei der ASO läuft. Bei Ausparken kommt noch eins der kleineren italienischen Teams vorbei. Jetzt sind  die Leute  von Vini Fantini natürlich extrem wichtig. Wie alle hier. Nur keinen Umfahren. Diese Schlagzeilen wollen wir hier nicht produzieren.

Beschreibung der ersten Etappe

Morgen geht es also los. Mit einem Zeitfahren über 8 Kilometer. Von Bologna auf die Madonna die San Luca. Diesen Berg mit der Kirche sieht man schon von weiten auf der Autobahn. Auch wenn man nichts über Bologna weiß, weiß man zumindest, dass man gleich da ist. Morgen kommt man nur schlecht auf die Madonna. Einen Shuttleservice gibt es nicht. Dazu ist es zu eng da oben. Auf der Pressekonferenz  wurde gesagt, man soll hoch laufen. Das ist herrlich. Es sind zweihundert Höhenmeter und sicher werden nur ganz wenige Leute dort sein. Es gibt eine Straße hoch und eine Straße runter. Erst fangen wir ganz langsam an….

Anderem geht es schlechter. Marcel Kittel zum Beispiel. Seit seinem Ausstieg bei Quickstep hat er bei Katusha nie ganz seine Form gefunden. Die neueste Lösung war, dass Erik Zabel ihn wieder auf Trab bringen sollten. So eine Schnapsidee konnte nur der Verzweiflung von Katusha und den Shampoo Boys stammen. Zabel , der Exdoper und Kittel, der Mann gegen das Doping. Das ging sicher schon mental nicht zusammen. Jetzt.

muss der Schwiegersohn, auch de Le Kaiser genannt, sehen wie eher aus dem Loch herauskommt. Ich bin ja heute an Canossa vorbei gefahren. Das wäre ja noch eine Möglichkeit. Für einen Kaiser.

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