Giro D`Italia. Der erste Tag.

Und Gott sah auf Italien und wusste, dass er sein Werk beginnen müsste. Zunächst schüttelte er den Kopf und rief erzürnt aus: “Bei Teutatis, die spinnen, die Römer!”

Der Morgen begann entzückend. Schon gestern hatte ich  eine Weste für die Zielgerade bekommen, doch dann wurde auf der Pressekonferenz gesagt, dass es keinen Shuttleservice zum Ziel gibt. Und mit dem Auto kommt man nicht hoch.  Das einem dann heute noch mitgeteilt wurde, dass man, wenn man als Journalist internetten wolle für den gesamten Giro 160 Euro zahlen müsse, schlug dem Fass zwar den Boden aus, war aber ja auch nicht so schlimm. Wenn man keine Fotos machen kann, braucht man ja auch nicht internetten. Ist ja logisch.

Da in Italien aber ja alles irgendwie geregelt wird, wir sind ja im Land wo die Zitronen blühen, bin ich auf die Lösung gespannt. Zumindest könnte man ja im Pressesaal mal ein paar Stromanschlüsse zur Verfügung stellen. Oder haben die hier Laptops die mit Luft und Liebe aufgeladen werden?

Dafür laufen hier jede Menge schnieke gekleidete Leute rum. Deren Aufgabe es wohl zu sein scheint ihre teuren Uhren und Anzüge zur Schau zu stellen. Sonst tun die aber nichts. Gut so. Wer nichts tut, kann auch nichts falsch machen.

 

Meine Liebe zum Giro wird noch wieder   erwachen. Alte Liebe rostet ja nicht. Eine gute Nachricht noch, Der Cafe ist gut. Die Schlechte ist, dass er einen Euro 10 kostet.

Die Kiddies hier oben auf dem Foto wollen nur spielen. Sie studieren die Chorographie für den heutigen Tag ein. Ein tanzt vor und die anderen springen im Dreieck. Sieht aber gut aus. Bin mal gespannt, ob das auch heute so gut geht.

Heute ist jedenfalls der Tag der Tage. Das Zeitfahren über 8 Kilometer ist recht anspruchsvoll. Ich will jetzt nicht die übliche Phrase, vom ersten Tag loswerden….  Aber man kann schon Zeit verlieren. Denn es geht den Berg hoch zum Schluss. Zweihundert Höhenmeter auf 2,1 km. Da werden die Sprinter wohl nicht im Maglia Rosa zu sehen sein in den nächsten Tagen. Obwohl es ja auch flach weitergeht die Woche. Mal sehen wer sich freuen darf. Einige deutsche Zeitungen berichten ja vom spannendsten Giro seit Jahren. Die bekommt das wohl alle vom SID einheitsbreimässig geliefert.Man kann sich die Frauen auch schön trinken.  Na denn, Proust.

Die Anfahrt zum Start klappte dann aber problemlos. Vor der Tiefgarage gab es sogar Tickets für die Ausfahrt. Gratis, das muss man doch loben. Oben standen dann die Busse der eams schön aufgereiht. Da konnte man gleich schöne Fotos. Jede Menge Volk säumte die Straßen. Sicher waren nicht alle für den und zum  Giro unterwegs. Außerdem war niemand in Rosa gekleidet. Wenn ich da an Holland 2016 denke, wo jede sich irgendwas in rosa auf dem Leib trug, dann muss ich sagen die Bologneser sind etwas zurückhaltend. Was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Die Strecke ist gut besucht und wenn ein Nibali an den Start geht gibt es sogar frenetischen Beifall. Ansonsten muss der Einheizer ein wenig Dampf machen. Meine Damen und Herren, ein Japaner am Start, klatschen sie bitte etwas lauter. Ob der Japaner schwerhörig ist?

Na gut, das ist auch sein Job. Vor dem Start wird die Zeit etwas lang. Das Zwischenprogramm mit den Kiddies von der Werbekolonne hat gut geklappt. Wenn sie es noch 20 Mal machen sind sie sicher alle synchron. Animateur in der Karawane ist schon ein harter Job. Dabei darf man  diese Karawane nicht mit den Faschingswagen bei der Toúr vergleichen. 20 bunt bemalte Pickups machen eben noch keinen Sommer.

Nein, ich nörgle nicht in einem fort. Aber soll ich lügen. Der Giro war meine erste große Liebe, jetzt ist die Braut aber etwas alt und runzlig geworden.

Kein Wunder, dass ich mir nach 3 Stunden in der Sonne stehen mal eine ruhigen Platz suche. Ja, es gibt hinter der Startbühne ein kleines offene Zelt und sogar ein paar Stühle. Das mich ein paar der Organisatoren etwas komisch anschauen übersehe ich beflissen. Ein Gespräch kommt auch nicht so richtig in Gang. Nach einer halben Stunde sagt mir aber einer der Würdenträger, ich solle mal lieber verschwinden. Gleich kämen der Bürgermeister und sonstige wichtige Leute, da müsste ich doch Platz machen. Mein italienisch wird plötzlich ganz ganz schlecht. Auch beim englischen habe ich scheinbar einen Hörsturz. Schließlich begreife ich aber, dass der Weihnachtsmann kommt und meine Socken stinken. Oder  so.

 

Überhaupt wird man beim Giro etwas rum gestoßen. Journalisten sind in Italien scheinbar unnützer als Katzenscheiße. So lasse ich den Auslöser der Kamera in Ruhe als die Herren und die Dame Politiker von der eingepferchten Masse Fotografen stürmisch abgelichtet wird. Ich arbeitet doch nicht für das Bologneser Käseblatt. Da ist auf einmal richtig stolz Chefredakteur vom Radsport Journal Tourmann zu sein. Ich glaube auch, so viele andere deutsche Journalisten sind hier auch nicht am Start.

Das heißt, alles was sie hier lesen, stammt aus eigener Feder und nicht von einen Sportinformationsdienst, der die Meldungen aufkauft und dann weiter verstreut. Andererseits arbeite auch ich viel mit Twitter.

Kommen wir also zum Sport. Vor dem Rennen frage ich den Italiener Jakub Mareczko, wie gut es findet, dass es die letzten 2 km 200 m hoch geht. Der Sprinter findet es großartig. Da braucht sich keine Sorgen um das Maglia Rosa machen. Das bekommt sich gleich Primoz Roglic von Visma Jumbo ausgehändigt und trägt es dann bis zum Ende.

Ja nach der Süddeutschen  Zeitung wird das der spannendste Giro ever. Roglic ist gleich bei ersten gestartet und setzte seine neue Bestzeit. Vor ihm waren allerdings Tom Dumoulin und Vincenzo Nibali auf der Strecke. Nibali hat mehr Beifall bekommen und setzte auch eine neue Bestzeit. Er war auch besser als Tom Dumoulin. Der lag 5 Sekunden hinter Nibali und 28 Sekunden hinter Roglic.

Pascal Ackermann  von Bora hansgrohe ist auch früh gestartet, hat sich aber nicht mit Ruhm bekleckert. Rafal Majka liegt zwischenzeitlich auf Rang fünf. Als einer der letzten geht Simon Yates an den Start. Er war beim letzten Giro lange Zeit erster und hatte dann am vorletzten Tag einen fürchterlich Einbruch. Der hat Britte heute nicht. Er wird Zweiter hinter Roglic mit 19 Sekunden Rückstand. Bester deutscher Fahrer wird Jasha Sütterlin  vom Team Movistar mit 1:44 Rückstand auf Rank 94. Der Giro wird also aus deutscher Sicht nicht so ständig in den Schlagzeilen stehen.

Ergebnis >>>>

 

 

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