Die Woche der flandrischen Klassiker

Man kann es auch positiv sehen. Obwohl bei Radsportlern positiv ja eher negativ ist. Sagen wir mal so, besser ein Schrecken mit Ende als ohne. Die Jungs können dann die Gegend um Oudenaarde wieder  für ein Jahr abhaken. Endlich wieder Radfahren ohne Dejavu Erlebnisse. Gestern sind wir doch auch an die Ecke vorbei gekommen? War es nun von dieser Seite oder von der anderen? Egal, hier sieht doch alles gleich aus. Wenigstens regnet es nicht! Da bleiben die Pflastersteine trocken und der Mund staubig. Man fährt durch die Gegend der ausgedehnten Landwirtschaft. Um diese Zeit wird ordentlich Gülle auf die Felder gekippt. Als Rennfahrer kann man den Geruch nicht mit ein paar Bierchen verdünnen. Viele der Jungs haben um diese Zeit auch den Hang in den Süden. “Gibt es denn da nicht in Casablanca diese kleine Rundfahrt. Was, die ist nur für einjährige auf dem Dreirad. Ich glaube, das ist genau das Richtige für mich.”

Besser, als da oben die Jauchehaufen zu Umkurven. Nein, die flandrische Woche ist was ganz besonderes. Da wollen alle mitfahren, besonders die Wallonen.

Die Woche fängt an mit Gent Wevelgem. Damit es jeder versteht heißt das Rennen auch in In Flanders Fields. Ja richtig, das Grauen hat einen Namen. Mein Opa ist schon von Kaiser Willi in die Gegend geschickt worden. Schon damals hatten sie es da mit den Gasen. Man kann da echt froh sein, dass der Mann so robust war und man deshalb lebt. Bei Gent Wevelgem fährt man in Deinze los und landet dann in der Nachbarstadt Wevelgem.  Wie die es fertig bringen dazwischen noch 251 km zu packen ist mir persönlich völlig schleierhaft. Die Strecke führt über jeden Hügrel und an jeden ehemaligen Schützengraben vorbei. So wird das gemacht.

 

Die Schützengräben sind heute wieder Felder und so hat der Ausdruck Flanders Fields eigentlich eine falsche aber richtige Bedeutung.

In der Mitte der Woche kommt dann das nächste Rennen. Das heißt dann zur Abwechslung Quer durch Flandern. An den Tagen dazwischen werden schon mal wieder ordentlich die Felder gedüngt und man gießt ein paar Bierchen auf den nächsten Zwischenpunkt. Denn Dwaars door Vlaanderen ist ja nur eines der Vorspiele. Die Gegend ist übrigens die gleiche. Meistens werden die Hügel von der entgegensetzten Seite angefahren. Damit man die auch mal gesehen hat. Auch die Leute, die aus lauter Verzweiflung tot über irgendeinen Zaunpfahl hängen, bieten aus einen anderen Betrachtungswinkel eine gewisse Abwechslung. 

Wenn dieses Rennen nun Geschichte ist, werden noch einmal die Felder schwer gedüngt. Man hat ja Zeit und freut sich auf den Höhepunkt des Jahres. Für einen Flamen ist nicht einmal Weihnachten wichtiger als die Flandern Rundfahrt. Schon einen Tag vor dem Ereignis sieht man dicke alte und junge Herren auf eleganten Fahrrädern sich die Hügel hoch und runter schwingen. Am Besten ist es, wenn sie noch bepflastert sind und ordentlich Kuhscheiße auf den Wegen liegt. Das schmerzt besonders in den Wunden der zu Fall Gekommenen und ist echt stylisch.

 

 

Am nächsten Tag steht dann das Profirennen der Männer an. Früher wurde es in Brugge gestartet. Jetzt ist man Antwerpen umgezogen. Ob das wegen des Schippersviertels geschehen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls ist der Start dort in der Nähe. Von Antwerpen geht es 271 km nach Oudenaarde. Oudenaarde ist ein Kaff an der Schelde, wird aber als die Hauptstadt des flämischen Radsports bezeichnet. Die haben auch ein Radsportmuseum extra nur für diese Rundfahrt. Leiter ist ein ehemaliger Radprofi. Es gibt schon Schicksalsschläge.

Ansonsten werden die üblichen Äcker und Hügel ein letztes Mal besichtigt. Jedenfalls diejenigen tun das, die nicht zum Scheldepreis oder zum Brabantse Peil müssen.

Wir werden natürlich auch ein wenig von den noch folgenden Ereignissen berichten. Aber es gibt auch die Tour de Maroc. Und die ist uns wesentlich wichtiger. Finde ich jedenfalls.

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