Fr. Dez 6th, 2019

Die haarsträubenden Reisen des Holger Halloney. Die Segelreise

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Eine etwas entferntere Bekannte hatte mich ob meiner  wohl doch sonst so sinnlos zu Hause rumliegenden Fotoausrüstung angesprochen. Sie wisse, dass ich oft unsägliche Fotos von irgendwelchen Radsportveranstaltungen mache. Da könne ich doch auch mal aushelfen, ihren untreuen Lebnsgefährten bei der Tat zu fotografieren. So könnte meine Teleausrüstung doch mal einen sinnvollen Zweck erfüllen. Als sie mir die Euroscheine für ihre Selbstzüchtigung überreichte, war ich auch davon überzeugt. Sollte man tatsächlich mit Fotos Geld verdienen können ohne Starfotograf zu sein?

Trotzdem wies ich sie darauf hin, dass sie die Fotos für eine Scheidung heute nicht brauchte. Sie hatte aber offenbar eine masochistische Ader und wollte unbedingt die Fotos sehen. Nun ist es nicht gerade meine Art irgendwelche Pornos zu knipsen, aber hier handelte es ja um einen moralischen Zweck.

Das zu beobachtende Pärchen wollte das lange Wochenende in Holland verbringen. Offiziell war er auf einer Geschäftsreise in Italien. Ich freute mich schon auf den Dauerstau.

Ich erinnerte mich daran, dass ein anderer Bekannter ein Segelboot in der Gegend hatte. Weil er es aus Zeitgründen immer mehr vernachlässigen musste, hatte er mich des öfteren gebeten, mal ein Wochenende auf dem Kahn verbringen. Es sei aber nur winzig klein. Ich konnte mir 7 Meter Länge nicht gut vorstellen, hatte aber die Befürchtung, dass ich dort seit langer Zeit mal gründlich aufräumen sollte.

Natürlich fing mich mein Vermieter wieder ab, als ich mein Gepäck ins Auto lud. Der musste mich durch Fenster beobachtet haben.

” Na Halloney, mal wieder auf große Fahrt?” Dabei grinste er ziemlich dämlich, wie ich fand.

“Nein, nur nach Holland, übers Wochenende, zum Zelten!”

“Halloney, sie wissen doch, dass man in Holland nicht wild campen darf. Und einen Campingplatz können sie sich doch nicht leisten. Wo haben sie übrigens ihren Sprit für die Reise her?”

Ich erzählte ihm etwas von einem leerstehenden LKW, der zuviel Diesel im Tank gehabt hätte. Das brachte ihn von den Gedanken an meine ausstehende Miete wieder ein wenig weg.

“Halloney, sie sind ja ein ganz schlimmer. Ich werde sofort in meinen Heizöltank nachmessen. Wissen sie überhaupt, dass es dort in Holland eine Dünenpolizei gibt, die herumstreunende Berufsjugendliche aufgreift?”

Ich sagte nichts, setzte mich ins Auto und fuhr ein wenig qualmend los. Frittenfett hat schließlich einen besonderen Geruch. Die Staus nach Holland sind nicht gerade erträglich. Seltsamerweise waren nur vor mir Autos , hinter mir war die Autobahn leer.

Endlich nach Stunden am Meer angekommen, fand ich auch den Jachthafen. Er war wie ein Gefängnis abgesichert. Die Gefangenen waren außerhalb des Zauns und hießen Touristen. Wie erwartet war das Boot meines Bekannten das kleinste Schiff im Hafen und leicht erneuerungsbedürftig. Die anderen Bootsbesitzer waren auf größerere Modelle umgestiegen. Ich sah einige Fregatten und Kreuzfahrtschiffe. Der Kommodore wollte sich gerade einen neuen Flugzeugträger zulegen. Machte sich aber noch Gedanken, wie das mit den Segelmasten und den Startrampen für die Eurofighter vereinbar wäre.

Nachdem ich einen Tag lang das Boot geschrubbt hatte, konnte ich mich um meinen anderen lukrativeren Auftrag kümmern. Die Bekannte hatte mir den Namen des Hotels verraten. Wie erwartet war es eine Absteige für Turteltäubchen. Ich musste mich jetzt nur noch auf die Lauer legen und das Paar in flagranti fotografieren. Zur Zeit flanierten sie noch Hand in Hand am Strand entlang. Was aber wohl den masochistischen Ansprüchen meiner Auftraggeberin nicht genügen würden. Die wollte echte hardcore Bilder. Nun, wenig später kam es in den Dünen dann dazu. Ich konnte nur hoffen, dass die Eindrücke gestochen scharf herüberkamen. Damit betrachtete ich meine Arbeit als erledigt und fuhr wieder zum Jachthafen zurück, wo ich ein oder zwei Biere im Cockpit trinken wollten.

“Halloney, wer hat sie denn hier rein gelassen? Das ist nur für Mitglieder und nicht für Penner!” Die Stimme meines Vermieters kam mir unverhofft, aber nur zu bekannt vor.

“Was machen sie denn hier,” fragte ich unverblümt, ” sind ihre Nummernkonten in der Schweiz nicht mehr sicher, dass sie sich hier einkaufen müssen?”

” Richtig, Halloney, seit gewisse CD`s an die Steuerbehörden verkauft werden, ist man seines Lebens nicht mehr froh. Mir gehört übrigens das 300 m lange Kreuzfahrtschiff da hinten links. Steuerfrei und vom Staat subventioniert. Aber ich will es jetzt etwas rustikaler. Deshalb werde ich mir eine neues Supercontainerschiff zulegen. Was denken sie, Halloney?”

Ich dachte, gar nichts. Wahrscheinlich hatte der Kommodore ihm den Flugzeugträger ausgeredet.

“Kommen sie doch mit, Halloney, ich lade sie zu mir an Bord ein!”

Ich dachte, ich könnte mein Bier auch auf seine Kosten auf seinem Schiff trinken. Doch schon an der Reling drückte er mir einen Besen in die Hand.

“Wenn sie schon hier sind, können sie sich ein wenig nützlich machen. Personal ist ja heutzutage nicht zu kriegen. Ich werde mal in der Kombüse nachsehen was der Koch gezaubert hat. “

Da ich keine Lust hatte schon wieder seine Teller abzuspülen, empfahl ich mich auf französisch, warf den Besen ins Wasser und fuhr nach Hause.

Meine Bekannte war entzückt über die Bilder und überreichte mir prompt die Kohle. Als ich sie später schnaufen hörte, dachte ich, sie hätte aufgrund der vortrefflichen Aufnahmen einen Orgasmus bekommen. Als ich dann nachsah, lag sie in den letzten Zügen. Herzinfarkt. Auch der Notarzt konnte ihr nicht mehr helfen.

Aber ich hatte ja schon mein Geld und konnte mir in Ruhe ein Feierabend Bierchen können. So läuft das eben hier.

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