Mo. Aug 19th, 2019

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It`s all over now, baby blue!

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Die letzten Tage der Tour de France brachten der Blue Men Group keinen Sonnenschein. Zunächst begann es in den Alpen zu schneien und dann verlor der Leader der bleuen Truppe sein heißgeliebtes Trikot. Thomas Voeckler war der letzte Sieger dieser französischen Herzen und nun musste Alaphilippe dran glauben. Zudem blieb ihm die Oberdemütigung erspart. Am letzten Tag mit seinem Bezwinger sich dem Pöbel in Paris stellen zu dürfen. Schon ganz andere haben diesen Ereignis die Guillotine vorgezogen. Die stand dann auch gestern schon im Valle Thorens. Alaphippe ist diesen Weg dankend gegangen, er hat vor dem Aufstieg seinem Bezwinger Bernal schon gratuliert.

Neben den beiden haben sich viele andere Fahrer durch Frankreich geschleppt. Paris , Paris lautet für 99 Prozent der Jungens das Motto. Schaut man sich die UCI Weltrangliste an, so muss man sich erstaunt die Augen reiben. Es sind nicht unbedingt immer nur die 180 weltbesten Fahrer dabei.

Man muss und kann schon ein wenig Glück haben, bevor man sich auf dem Champs Elysee zum Champagner Diner einfindet. Gewiefte Journalisten haben das ja schon am Ende dritten Etappe in Epernay genossen. Da saß man dann abends entspannt auf dem Hof der Champagnerbauern und genoss für 7 Euro ein Schlückchen von dem Gribbelwasser, dass heute Abend so reichlich auf der Edelmeile auf die Straßen fließen wird. Wie lange ist das schon wieder her?

Reden wir lieber von den Fahrer und ihren Träumen. Nicht jeder kann diesen Traum vom Champs verwirklichen. Nicht jeder darf am Norwegereck beim Louvre mehrmals vorbeirasen. Die Tour hat viele Träume zerstört. Mal, weil man sich nicht im Zaum hatte, wie Tony Martin und Luke Rowe, die beide das ganze mit einer Wrestlingshow verwechselten. Andere mussten ihren kleinen Träume im Straßengraben begraben. Einen ließ man unter einer Werbeplane blutend liegen. Warum wurde hier kein Verantwortlicher bestraft?

Doch gibt es viele Namenlose, die in Paris auf dem Champs Elysee erscheinen. Auch hier werden sie nur Masse sein, der Hintergrund für die in der Sonne stehenden Jungens. Wie gesagt, muss man schon Glück haben um adabei zu sein. Man muss dem richtigen Team angehören. Sonst kann man so viel UCI Punkte haben wie man will. Die große Sause findet ohne einen statt. Daher kommt es, dass Jungens mitmachen, die in der Weltrangliste nun wirklich unter ferner liefen fahren. Nehmen wir einmal Yoann Offredo. Der war in gefühlt jeder Ausreißergruppe jeden Tag ganz vorne zu sehen. Gegen Ende fiel er dann immer ganz stark ab und hatte lange Zeit die rote Laterne sicher in seiner Hand. In der UCI Rangliste hab ich ihn auf Platz 1321 gefunden. Die Wildcard von Wanty Gobert ermöglicht ihm die Teilnahme. Lars Itting Bak, der älteste Fahrer, steht auf Rang 1530 und Amael Moinard von Arkea gar auf Rang 1576 der UCI Weltrangliste. Ich hab dann nicht weiter gesucht, trotzdem bin ich mir sicher, dass da noch weitere folgen. Man muss also nicht zu den besten 180 Fahrern in der Welt gehören um bei der Tour mit zu fahren. Vielmehr muss man zu den Teams gehören, die eine Teilnahmeberechtigung haben und dann muss man noch von der Teamleitung ausgewählt werden. Da gelten oft noch ganz besondere Kriterien. Manch ein Fahrer hat aus Gründen der Nichtnomierung schon das Team gewechselt.

Wenn sie mich fragen, ob Alaphilippe nach all dem Trubel noch auf dem Champs Elysee seine Runde drehen will, kann ich ihnen nur sagen: “Ja sicher, für den gibt es nichts Größeres!” Der Mann ist schließlich Franzose.

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